Letztes Update am Fr, 19.04.2019 12:49

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ungarns Kirchenoberhaupt Erdö geht indirekt auf Distanz zu Orban



Budapest/Brüssel (APA/dpa) - Der Primas der katholischen Kirche in Ungarn, Kardinal-Erzbischof Peter Erdö, hat sich indirekt von umstrittenen Positionen des rechtsnationalen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban distanziert. „Kann man ein Land, einen Kontinent „christlich“ nennen?“, sagte er in einem am Karfreitag veröffentlichten Interview des unabhängigen konservativen Nachrichtenportals „valaszonline.hu“.

In Hinblick auf gewisse Traditionen könne man es, aber „letztlich sind die persönlichen Überzeugungen der Menschen wichtiger“.

In dem Interview wird der Name des mächtigen ungarischen Ministerpräsidenten nicht erwähnt. Einige Äußerungen Erdös können aber durchaus als Widerspruch zu Orbans Parolen verstanden werden. So reklamiert dieser für sich, eine „christliche Politik“ für eine „christliche ungarische Nation“ zu betreiben.

Der Erzbischof von Esztergom (Gran) sprach sich auch dagegen aus, Christentum und Islam gegeneinander auszuspielen. „Es kann nicht unser Ziel sein, die Kulturen miteinander in Konflikt zu bringen, ganz im Gegenteil“, sagte Erdö. Orban wiederum rechtfertige seine feindselige Politik gegenüber Flüchtlingen damit, dass „muslimische Invasoren“ auf Geheiß der „Brüsseler Eliten“ einen „Bevölkerungsaustausch“ in Europa herbeiführen würden.

Zu der unter Orban zu beobachtenden Politisierung von Teilen der Kirche meinte Erdö: „Der Mensch sucht es sich aus, wofür er Sympathien empfindet, aber die Kirche als solche ist bestrebt, in die Nähe keiner politischen Gruppierung zu gelangen.“ Teile des katholischen und reformierten (calvinistischen) Klerus sympathisieren offen mit Orban. Immer wieder machen Pfarrer von der Kanzel herab Wahlkampf für den rechtsnationalen Politiker. Zuletzt war Orban selbst auf den Predigtstuhl einer reformierten Kirche in Budapest gestiegen, um gegen Migranten zu hetzen.




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