Letztes Update am Fr, 19.04.2019 13:16

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Irak: Österreichische Solidaritätsaktion geht über Ostern weiter



Wien/Bagdad (APA) - Die gemeinsame Solidaritätsaktion der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV), Christen in Not (CiN) und der Initiative Christlicher Orient (ICO) für die Christen in der nordirakischen Ninive-Ebene geht weiter. Zu Ostern wird noch einmal verstärkt um Spenden für die Menschen vor Ort gebeten.

Insgesamt konnten bereits mehr als 600.000 Euro für die sogenannte „Aktion Heimkehr“ gesammelt werden, an der sich auch die Kardinal-König-Stiftung und die Diözese Linz beteiligen. AKV-Präsident Helmut Kukacka unterstrich im „Kathpress“-Gespräch die Notwendigkeit der Aktion, damit die Menschen vor Ort eine nachhaltige Lebensperspektive haben. Nicht zuletzt gelte es auch, in der Region das Erbe des Urchristentums zu bewahre, berichtete Kathpress am Karfreitag.

Nachdem die Terrororganisation IS Ende 2016 aus der nordirakischen Ninive-Ebene vertrieben wurde und 2017 die ersten geflüchteten Christen in ihre Dörfer und Städte zurückkehrten, leisteten die heimischen Organisationen anfangs vor allem finanzielle Hilfe beim Wiederaufbau. In der Kleinstadt Telskof und der benachbarten Ortschaft Baqofa haben AKV, ICO und CiN/CSI mitgeholfen, die Wasser- und Stromversorgung wieder in Gang zu bringen und Familien bei der Instandsetzung ihrer Häuser unterstützt. Seit einiger Zeit geht es in der Hilfe vor allem um Projekte, die die Wirtschaft wieder in Schwung bringen, damit die Christen vor Ort eine Existenzgrundlage haben.

Aktuell unterstützen die Organisationen ein neues Landwirtschaftsprojekt in der Kleinstadt Telskof, mit dem die örtliche Pfarre für einige Bewohner des Ortes Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen will. Zu Weihnachten wurden für die 250 ärmsten Familien in der Kleinstadt Telskof und dem benachbarten Ort Baqofa umfangreiche Hilfspakete mit Lebensmitteln, Süßigkeiten für die Kinder und Saatgut finanziert.

Auf Ersuchen der chaldäischen Pfarre von Telskof wurde zudem vor Kurzem ein Kleinbus angeschafft, damit die älteren Schüler und Studenten eine Transportmöglichkeit nach Mosul besitzen. Weiterführende Schulen bzw. die Möglichkeit für den Besuch einer Universität gibt es - in einer vernünftigen Nähe - nur in Mosul. „Bildung ist uns ein ganz wesentliches Anliegen“, so CiN-Generalsekretär Elmar Kuhn. Wenn die Eltern wissen, dass es für ihre Kinder entsprechende Bildungsmöglichkeiten vor Ort gibt, dann würden sie viel eher in ihrer Heimat bleiben.

Eine besonders benachteiligte Gruppe vor Ort sind dabei Menschen mit Behinderung. Deshalb wird der Kleinbus auch für Behindertentransporte ausgestattet werden, erklärte ICO-Generalsekretärin Romana Kugler. Für Menschen mit Behinderung, Kinder wie Erwachsene, gibt es in der chaldäischen Pfarre in Telskof regelmäßige Aktivitäten, der Transport sei bisher aber für viele ein großes Problem gewesen, informierte Pfarrer Salar Bodagh die Hilfsorganisationen. Für die Zukunft plant der Pfarrer auch ein eigenes Behindertenzentrum.

Telskof war wie viele weitere christliche Siedlungen in der Ninive-Ebene vom IS zerstört bzw. verwüstet worden. Kein einziges Haus wurde dabei laut Auskunft des Pfarrers vom IS verschont. In Telskof lebten vor der Vertreibung durch den IS rund 1.200 Familien (ca. 6.000 Personen), allesamt chaldäische Christen. Etwa 650 Familien davon sind zurückgekehrt. Dazu kommen weitere 300 Familien aus anderen Dörfern ringsum bzw. aus Mosul, die in ihre Heimat aus Sicherheitsgründen, oder weil ihre Häuser vollkommen zerstört sind, nicht zurückkehren können, und die sich in Telskof niedergelassen haben.




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