Letztes Update am Fr, 19.04.2019 15:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Demonstranten im Sudan wollen eigene Zivilregierung erzwingen



Khartum (APA/AFP) - Eine Woche nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Omar al-Bashir im Sudan halten die Demonstranten den Druck auch auf den Militärrat aufrecht, die Macht abzugeben. Die Anführer der Massenproteste erklärten am Freitag, sie würden eine eigene Zivilregierung bilden. Die Demonstrationen in der Hauptstadt Khartum wurden fortgesetzt.

Der Berufsverband SPA, der sich an die Spitze der Protestbewegung gestellt hat, erklärte, er werde am Sonntag einen neuen Zivilrat vorstellen. „Wir fordern, dass dieser Zivilrat, dem auch Militärvertreter angehören werden, den Militärrat ersetzt“, sagte Ahmed al-Rabia vom SPA. Das Militär äußerte sich nicht dazu.

Unterdessen versammelten sich tausende Menschen vor dem Armee-Hauptsitz in Khartum. „Die Macht den Zivilisten“, riefen die Demonstranten laut Augenzeugen. Das Protestcamp vor dem Hauptgebäude des Militärs ist seit zwei Wochen das Zentrum der Demonstrationen.

„Es wird immer deutlicher, dass die Revolution unvollendet bleibt“, sagte Alan Boswell vom Forschungsinstitut International Crisis Group (ICG). Der Militärrat ignoriere die Forderungen von der Straße.

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Am 11. April war der seit drei Jahrzehnten autoritär herrschende Staatschef Omar al-Bashir nach monatelangen Massenprotesten vom Militär gestürzt und am Mittwoch in ein Gefängnis gebracht worden. Auch zwei seiner Brüder wurden festgenommen.

Nach dem Sturz Bashirs setzten die neuen Machthaber für eine Übergangszeit von zwei Jahren einen Militärrat ein. An dessen Spitze steht inzwischen General Abdel Fattah al-Burhan, der die Freilassung politischer Gefangener angekündigt und die nächtliche Ausgangssperre aufgehoben hatte. Die Demonstranten fordern jedoch die rasche Einsetzung einer Zivilregierung und eine Strafverfolgung Bashirs.

Die USA bezeichneten die angekündigte Freilassung politischer Gefangener durch den Militärrat als „ermutigend“. Das US-Außenministerium drängte am Donnerstag aber erneut auf eine rasche Übergabe der Macht an eine zivile Regierung. Die USA führen den Sudan auf einer Liste von Staaten, denen eine Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen wird.




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