Letztes Update am Fr, 19.04.2019 18:58

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vucic versammelte Zigtausende Anhänger in Belgrad



Belgrad (APA) - Serbiens Präsident Aleksandar Vucic, Chef der regierenden Serbischen Fortschrittspartei (SNS), hat am heutigen Freitag Zigtausende seiner Anhänger bei einer Großkundgebung in Belgrad versammelt. Die Kundgebung unter dem Motto „Zukunft Serbiens“ wurde als mächtige Unterstützung für den Staatschef und seine Politik empfunden.

Die Erwartungen, dass sich in Belgrad mehr als 100.000 Menschen versammeln würden, durften laut einigen Medienberichten weit überschritten worden sein.

Anhänger aus allen Landesteilen, aber auch aus dem Kosovo, Nordmontenegro und aus der Republika Srpska, die in der Hauptstadt schon in den frühen Nachmittagsstunden eintrafen, trugen serbische Flaggen und Spruchbänder, auf welchen die Unterstützung für den Präsidenten bekundet war. „Wien liebt Vucic“ stand auf dem Spruchband einer Serbengruppe, die aus Wien angereist war. Auf anderen Spruchbändern war schlicht der Name der Stadt und dazu „mit Vucic“ zu lesen. Auf einem Spruchband stand auch „Aco (kurz für Aleksandar) Serbe“, was als höchstmögliches Lob für den Präsidenten zu verstehen war.

An der Kundgebung nahmen auch Ministerpräsidentin Ana Brnabic, Außenminister Ivica Dacic und Bosniens Präsidiumsmitglied Milorad Dodik teil. Unterstützung erhielt Vucic auch von Ungarns Außenminister Peter Szijjarto.

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Lange Menschenkolonnen bewegten sich Stunden vor dem Beginn der Kundgebung über eine der drei Save-Brücken, welche das moderne Stadtviertel Neu-Belgrad mit dem Stadtzentrum verbindet. Die Brücke war schon in den frühen Nachmittagsstunden für den Verkehr geschlossen worden.

Serbiens Präsident ist seit Anfang Dezember mit Protesten unzufriedener Bürgern konfrontiert, die einmal wöchentlich in Belgrad und anderen Städten auf die Straße gehen. Verlangt wird sein Rücktritt, aber auch Medienfreiheit. Kritiker werfen Vucic vor, immer wieder seine relativ geringen Befugnisse zu überschreiten und mal als Regierungschef, mal als oberste Justizinstanz aufzutreten. Proteste werden zwar von lokalen nicht-staatlichen Organisationen organisiert, regelmäßig nehmen daran auch Spitzenfunktionäre des oppositionellen „Bundes für Serbien“ teil, welche Vucic wiederholt als „Faschisten und Tycoons“, oder aber auch als „faschistische Bande“ bezeichnet hat. Erst kürzlich hatte Vucic die Unterstützung seiner Parteiführung für den Standpunkt erhalten, mit Oppositionsvertretern keinen Dialog zu führen.

Der Bund für Serbien hatte am letzten Samstag die Behörden aufgefordert, eine gemeinsame Kommission zu bilden, welche die Bedingungen für freie und faire Wahlen festlegen würde. Eine offizielle Reaktion darauf hat es bisher nicht gegeben.

Laut Meinungsumfragen genießt die SNS eine etwa 55-prozentige Unterstützung der Bürger. Die Unterstützung für Vucic selbst dürfte noch etwas höher liegen. Der Bund für Serbien kommt auf etwa 12 Prozent.

Die heutige Kundgebung findet zehn Tage vor dem Westbalkantreffen statt, zu welchem Frankreich und Deutschland die Präsidenten und die Regierungschefs aus der Region nach Berlin eingeladen haben. Zur Sprache soll auch die Kosovo-Frage kommen. Der von der EU initiierte Normalisierungsdialog zwischen Belgrad und Prishtina liegt seit Monaten auf Eis. Der Einsatz von Vucic für die „Grenzziehung“ mit den Kosovo-Albanern, der als Gebietsaustausch aufgefasst wurde, traf weder in Serbien noch im Kosovo und dem Ausland auf Unterstützung.




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