Letztes Update am Sa, 20.04.2019 06:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Plowdiw 2019 - Zeitgenössische Kunst arbeitet Zeitgeschichte auf



Plowdiw (APA) - In der diesjährigen Europäischen Kulturhauptstadt Plowdiw beschäftigen sich derzeit zwei Ausstellungen mit der Aufarbeitung der jüngeren Geschichte jener Gebiete, die bis zum Zerfall der UdSSR unter sowjetischem Machteinfluss standen. Werke auf Resten der Berliner Mauer sind im Stadtzentrum zu sehen.

An mehreren Standorten wird die Ausstellung „Hört uns zu - Künstlerische Intelligenz“ präsentiert. In Kooperation mit dem Goethe-Institut Bulgarien zeigt Plowdiw Werke aus der 2010 gegründeten Sammlung der Deutschen Telekom. Diese legt den Fokus auf das Kunstschaffen in Ost- und Südosteuropa der letzten 15 Jahre, das die diskursive Aufarbeitung der kommunistischen Ära nicht scheut.

Der Schriftzug „Communism never happened“ (2006) prangt in aus Schallplatten ausgeschnittenen Buchstaben im ersten Raum der Stadtgalerie. Mit freiem Auge nicht zu erkennen ist, dass auf den Tonträgern, die der rumänische Künstler Ciprian Muresan als Ausgangsmaterial gewählt hat, Aufnahmen von Reden des ehemaligen kommunistischen Diktators Nicolae Ceausescu sind.

„Zwei Lesarten bieten sich dazu an“, erklärt Kuratorin Nathalie Hoyos. Erstens könne der Schriftzug als Verweis darauf gesehen werden, dass sich die postkommunistischen Länder mit der Aufarbeitung der Vergangenheit schwertäten. „Zweitens, dass der Kommunismus in seinen Idealen nie stattgefunden hat“, sagte Hoyos, der die Geschichte hinter den Werken wichtig ist.

Die Ausstellung begleitet ein umfangreiches Vermittlungsprogramm, da sich die Kulturhauptstadt zum Ziel gesetzt hat, die Voreingenommenheit gegenüber Kunst und den Kunstschaffenden sowie die Orte der Interaktion zu erweitern. Kunst wird demnach auch in den öffentlichen Raum Plowdiws hineingetragen.

In der Fußgängerzone stehen anlässlich des 30. Jahrestags des Falles der Berliner Mauer Originalfragmente derselben, die von Vorreitern der heutigen Berliner Straßenkunstszene wie dem Franzosen Thierry Noir bis hin zu zeitgenössischen Künstlern gestaltet wurden. „Kunst der Freiheit“, heißt die Schau, die in Zusammenarbeit mit dem Institut Francais in Bulgarien Werke aus der Sammlung von Sylvestre Verger zeigt. Die Konterfeis von David Bowie und Iggy Pop sind weithin sichtbar.




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