Letztes Update am Sa, 20.04.2019 06:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zweimal Schubert und einmal Harfe - Klassiknews



Wien (APA) - *

Khatia Buniatishvilis „feministische“ Schubert-Deutung (Sony): Die georgisch-französische Pianistin Khatia Buniatishvili ist mit 31 Jahren bereits eine Marke. Sie steht für intensives, brillantes Spiel, eine philosophische Vorliebe für schwarze Romantik und einen Hauch von Femme fatale. Mit ihrem neuen Album „Schubert“ hat sie in jeder Hinsicht nachgelegt: Schuberts späte, metaphysische Sonate in B-Dur, vier Impromptus und eine Klaviertranskription des Ständchens „Leise klingen meine Lieder“ macht den Kosmos Schubert von seiner dunklen Seite auf. „Der Tod und das Mädchen“ heißt dann auch ein Booklettext, den die Künstlerin nebst einigen „Notizen einer Feministin“ verfasst hat. Darin sinniert sie über eine todessehnsüchtige Kraft des Weiblichen, die zum Erdulden neigt - schwere Kost. In Worten - viel mehr aber noch im Klavierspiel - ist es ein Drahtseilakt zwischen Intensität und Affektiertheit, zwischen Dramaturgie und Esoterik, den Buniatishvili mal mehr, mal weniger entschieden meistert.

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Cremona Quartett nimmt Schubert auf Stradivaris auf (Audite): Die vier fabelhaften Stradivaris des legendären Paganini Quartetts haben eine neue CD-Einspielung vorgelegt. Genauer gesagt, das Quartetto di Cremona, das die edlen Instrumente derzeit spielen darf. Gemeinsam mit dem deutschen Cellisten Eckart Runge und seinem nicht minder noblen Instrument von Amati gibt man das Streichquintett in C-Dur und das Streichquartett „Tod und das Mädchen“ in d-moll. Der Klang weiß zu beeindrucken, die Interpretation mit ihrem beherzten Durchmarsch durch die Schubert‘sche Kammermusiklandschaft muss man mögen. Mit einem hohen Maß an Beweglichkeit und Impetus ist man stets am Gipfelsturm und verzichtet dabei au den langen Atem und weiten Blick der Wanderung am Kamm und die geschwungenen Täler der Melancholie.

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Harfenistin Lenaerts spielt Nino Rota (Warner Classics): Seit 2010 ist die junge Belgierin Anneleen Lenaerts Soloharfenistin der Wiener Philharmoniker. Sie folgte damit auf Xavier de Maistre, der seine Solokarriere forcieren wollte. Auch seine 31-jährige Kollegin hat alles Zeug dazu. Das beweist sie mit ihrem neuen Album. Dieses ist Harfenstücken des italienischen Komponisten Nino Rota (1911-1979) gewidmet, der für seine Filmmusiken bekannt und 1975 für seine Musik zu „Der Pate - Teil II“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. „Es scheint so, als habe Rota das Instrument selbst spielen können, denn er lässt die Harfe mit einer unglaublichen Leichtigkeit auf ihre natürlichste Weise erklingen, ohne dabei technischen Herausforderungen aus dem Weg zu gehen, und immer seinem eigenen Stil treu bleibend“, meint Lenaerts, die sich für eine Sonate Emmanuel Pahud zur Seite geholt hat und ansonsten mit der Brussels Philharmonic musiziert. Rotas Bandbreite unterstreichen Themen aus Shakespeare-Verfilmungen Franco Zeffirellis, aber auch aus Fellinis „La Dolce Vita“ oder Coppolas „Der Pate“.

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