Letztes Update am So, 21.04.2019 11:45

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ukraine-Wahlen - Großer Medienandrang bei Selenskyj-Stimmabgabe



Kiew (APA) - Bewacht von Dutzenden Leibwächtern hat der chancenreiche Kandidat Wolodymyr Selenskyj am Sonntagvormittag seine Stimme bei der Stichwahl der ukrainischen Präsidentschaftswahlen abgegeben. Selenskyj, der von seiner Gattin Olena begleitet wurde, zeigte sich bestens gelaunt und siegessicher. Auf Journalistenfragen wiederholte er bekannte Positionen.

Nachdem Selenskyj mit seiner Gattin kurz vor 11.00 Uhr Ortszeit aus einem gepanzerten Kleintransporter ausstieg, kam es vor seinem Wahllokal im Norden Kiews zu tumultartigen Szenen: Knapp zweihundert Journalisten hatten den Präsidentschaftskandidaten erwartet, ein Dutzende Leibwächter drängte sie bisweilen brutal zur Seite und machte Selenskyj den Weg in das Wahllokal selbst frei. Manche Leibwächter wiesen sich dabei als Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes von „1+1“ aus, des Fernsehsenders des umstrittenen Oligarchen Ihor Kolomojskyj, der den Fernsehkabarettisten im Wahlkampf massiv unterstützt hatte.

Wie bereits beim ersten Wahlgang fragen internationale Journalisten den Kandidaten, welche Länder er im Fall eines Wahlsiegs besuchen würde. „Die Ukraine, ihre Oblasts, auch kleine Städte und Dörfer“, antwortete Selenskyj. „Sie werden unser bester Präsident sein. Aber enttäuschen Sie uns nicht“, rief ihm ein Fan schließlich noch beim Abgang zu.

Für Aufregung vor dem Wahllokal sorgte am Sonntagformat aber auch eine schwangere Aktivistin der bekannten Gruppe „Femen“, die ihren Oberkörper entblößte und gegen Politik insgesamt protestierte. Der Kandidat bemerkte davon jedoch nichts, er befand sich zu diesem Zeitpunkt im Wahllokal selbst.

Rund 30 Millionen Wähler sind am Sonntag aufgerufen, sich zwischen Amtsinhaber Petro Poroschenko und dem Polit-Neuling Selenskyj zu entscheiden. Erste Prognosen werden kurz nach Schließung der Wahllokale ab 19.00 Uhr MESZ erwartet.

Selenskyj plant, am Abend in seinem Wahlkampfzentrum vor die Presse zu treten. Interviews mit einzelnen Medien werde es einstweilen nicht geben, sagte am Rande der Stimmabgabe Selenskyjs ein leitender Mitarbeiter seines Stabes. „Aktuell gibt es 400 Interviewanfragen“, erzählte er.

(Alternative Schreibweisen: Wladimir Selenski, Igor Kolomojski)




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