Letztes Update am Mi, 24.04.2019 10:23

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EU-Wahl - Vom Kosmonauten bis zur Starköchin: Promikandidaten



Brüssel (APA/dpa) - Vom Urenkel des italienischen Diktators Benito Mussolini bis zur rumänischen Tennis-Legende: Auf den Kandidatenlisten für die Europawahl (23.-26. Mai) finden sich etliche prominente und skurrile Persönlichkeiten. Ein bekannter Grieche kann sogar in Deutschland gewählt werden. Eine Auswahl:

SARAH WIENER: Die Fernsehköchin kandidiert auf Platz 2 der Liste der Grünen. Die sind seit dem Ausscheiden aus dem Parlament in Wien 2017 im Krisen-Modus und können ein Zugpferd brauchen. Die 56 Jahre alte Wiener will sich für Tierschutz, Öko-Landwirtschaft und soziale Gerechtigkeit einsetzen. Bisher stellen die Grünen drei Abgeordnete, diesmal gilt aber schon der zweite Platz als Kampfmandat.

SILVIO BERLUSCONI: Der skandalumwitterte Ex-Ministerpräsident Italiens darf Jahre nach einer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung wieder für politische Ämter kandidieren und lässt sich das mit seinen 82 Jahren auch nicht nehmen. „Aus Verantwortungsgefühl“ habe er sich dafür entschieden, sagte der Chef der konservativen Forza Italia zu seiner Kandidatur. Der Mailänder Multimillionär wirbt für ein freies und vereintes Europa in einer Welt, die „viel unsicherer ist als in der Vergangenheit“. Umfragen sehen seine Partei bei unter zehn Prozent.

CAIO GIULIO CESARE MUSSOLINI: Berühmt ist vor allem sein Nachname: Der 51-Jährige ist der Urenkel des einstigen italienischen faschistischen Diktators Benito Mussolini. Er kandidiert für die rechtsnationale Partei „Fratelli d‘Italia“, die bei der Parlamentswahl 2018 rund vier Prozent erhielt und in letzten Umfragen bei etwas unter fünf Prozent lag. Mussolini bezeichnet sich selbst als Patriot und bewundert Politiker, die für ihr Land eintreten - wie den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban, aber auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.

ILIE NASTASE: Die frühere Nummer eins der Tennis-Weltrangliste kandidiert für die rumänische Kleinpartei UNPR (Nationale Union für den Fortschritt Rumäniens). Der Ruf des 72-Jährigen hat zuletzt etwas gelitten. Voriges Jahr lieferte sich Nastase ein Handgemenge mit Polizisten und wurde in Handschellen abgeführt. Er war am selben Tag zweimal in Bukarest von der Polizei gestellt worden: Zuerst verlor er wegen Trunkenheit am Steuer den Führerschein, wenige Stunden später stoppte man ihn wegen Fahrens ohne Führerschein. Schon auf den Tennisplätzen der Welt trug Nastase einst den Spitznamen „Nasty“ (englisch: fies) - wegen seines rüpelhaften Benehmens. In der Boulevardpresse fällt Nastase zudem wegen seines dort als dynamisch beschriebenen Liebeslebens auf. Demnächst will er seine 43 Jahre alte neue Freundin als fünfte Ehefrau zum Traualtar führen.

SARUNAS MARCIULIONIS: In Litauen wagt sich mit Sarunas Marciulionis eine Basketball-Legende auf das politische Parkett. Einst der erste Spieler aus der Sowjetunion in der amerikanischen Profi-Liga NBA, will der 54 Jahre alte Politik-Neuling nun für den regierenden Bund der Bauern und Grünen ins Europaparlament. Allerdings bleibt abzuwarten, ob der 1,96 Meter große Ex-Korbjäger für die Mitte-Partei bei den Wählern so punkten kann wie damals in der Auswahl der Sowjetunion und ab 1991 für sein wieder unabhängiges Heimatland.

IVAN BELLA: Die fremdenfeindliche Partei „Wir sind Familie“ hat in der Slowakei den 54 Jahre alten ehemaligen Kosmonauten Ivan Bella nominiert. Bella flog 1999 als bisher einziger slowakischer Staatsbürger ins All.

MARTIN SONNEBORN (53) und NICO SEMSROTT (33): Der deutsche Satiriker Martin Sonneborn kandidiert nach seinem Überraschungserfolg bei der Wahl 2014 erneut für einen Sitz im Europaparlament. Der Ex-Chefredakteur und Mitherausgeber des „Titanic“-Magazins steht auf Listenplatz eins der Satire-Partei „Die Partei“ und hat jüngst ein Buch über seine ersten Jahre im Europaparlament veröffentlicht. Nummer zwei auf der „Partei“-Liste ist der aus der ZDF-Satiresendung „heute-show“ bekannte Kabarettist Nico Semsrott. Beide wollen sich dem Wahlprogramm zufolge unter anderem für eine „Ossi-Quote in Führungspositionen“ oder „Artenschutz für die SPD“ einsetzen.

GIANIS VAROUFAKIS (58): Der Grieche ist seit der Finanzkrise in seinem Heimatland weltbekannt. Als Finanzminister brachte er seine europäischen Partner auf dem Höhepunkt der griechischen Schuldenkrise mit seinen linken Theorien oft zur Weißglut. Immer wieder geriet der Ökonomieprofessor auch mit dem deutschen Ressortchef Wolfgang Schäuble aneinander. Bei der Europawahl kandidiert Varoufakis nun ausgerechnet in Deutschland als Spitzenkandidat der Vereinigung „Demokratie in Europa“ - dem deutschen Ableger seiner europäischer Bewegung „Democracy in Europe Movement 2025“ (Diem25). Wie das geht? Der Linkspolitiker hat nach eigenen Worten einen Wohnsitz in Berlin.

Und wer sich übrigens fragt, warum BRIGITTE BARDOT auf der Liste fehlt: Die 84 Jahre alte französische Schauspiel-Legende („Und ewig lockt das Weib“) hatte zuletzt in einem Zeitungsinterview klargestellt, dass sie nicht wie mehrfach berichtet für die Tierrechtepartei Parti animaliste antreten wird.




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