Letztes Update am Mi, 24.04.2019 12:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neuer oö. Landesjägermeister: Mehr Nutzer, aber nicht mehr Natur



Linz (APA) - Herbert Sieghartsleitner ist neuer oberösterreichischer Landesjägermeister. Der 54-Jährige aus Molln (Bezirk Kirchdorf an der Krems) folgt auf Sepp Brandmayr (68) und wurde am Dienstag mit 81,8 Prozent im Landesjagdausschuss gewählt. Als große Herausforderungen nannte er die Klimaveränderung, die wildökologische Raumplanung, dass immer mehr Menschen die Natur nutzen und darausfolgend ihren Schutz.

Die Klimaveränderung sei eine massive Herausforderung im Forstbereich. Es sei wichtig, sich mit den Grundeigentümern abzustimmen, sagte Sieghartsleitner in einer Pressekonferenz am Mittwoch in Linz. Die Rolle der Jagd neu zu definieren, die Nicht-Jäger zu überzeugen, dass die Jagd ein wichtiger Teil der Gesellschaft in der Natur und Raumnutzung, der Biodiversität sei, nannte er als weiteres Anliegen. Dabei herrsche in Oberösterreich ein gutes Klima. Das Jagdgesetz gelte es zeitgemäß weiterzuentwickeln, wobei es wichtig sei, dass die Jagd eingebunden werde. Demnächst soll in der Landesregierung eine kleine Änderung des Gesetzes beschlossen werden, um die Anwendung eines Schalldämpfers in der Jagd zu erlauben.

Als Großprojekt bezeichnete der Landesjägermeister die wildökologische Raumplanung. „Es geht darum, die Interessen aller Raumnutzer und ihre Ansprüche in der Natur aufzuteilen.“ Die Natur werde nicht mehr, „aber es gibt mehr Nutzer. Das spüren die Wildtiere besonders“, verdeutlichte er das Problem. „Die Natur ist das einzige Gut, das sich nicht vermehrt und das höchst sensibel ist.“ In anderen Bundesländern wie Tirol, Vorarlberg, Salzburg und der Steiermark gebe es bereits solche Regelwerke, an die man sich anlehnen könne. Natürlich handle es sich dabei auch um Einschränkungen. „Es wird nicht ohne die Verordnung von Ruhezonen gehen.“ Diese würden auch für die Jagd gelten. Es gehe viel um Verständnis, „die Logik, die Natur nicht übermäßig zu beanspruchen“ und um die Einbindung aller Gruppen.

Zum Wolf teile er die Position des Landesjagdverbandes, meinte Sieghartsleitner, seit 36 Jahren Jäger und selbst Landwirt. Es brauche eine grenzüberschreitende wildökologische Raumplanung für den Wolf. Er wurde in seiner Rückkehr unterstützt und erlangte durch seinen hohen Schutzstatus Vorteile gegenüber anderen Tieren wie etwa dem Rotwild, führte der 54-Jährige aus. Dieses könne mit dem Wolf leben, solange es Ausweichmöglichkeiten habe. Diese habe aber der Mensch dem Wild genommen. Er möchte nur vorbauen, dass Arten verschwinden, betonte der Landesjägermeister. Der Wolf werde sich in wenig besiedelten Gebieten wohl etablieren können. Mit einem Bestand von 20.000 Individuen in Europa und Vorderasien sei er keine bedrohte Art mehr und „man darf sich daranmachen seinen hohen Schutzstatus zu überdenken“, legte Sieghartsleitner dar. Die Politik befasse sich seines Erachtens korrekt mit dem Thema. Er pflege eine „respektvolle Distanz“ zu jenen, die anders über das Thema Wolf denken als er und versuche, mit Argumenten zu arbeiten.

Sieghartsleitner ist seit zwölf Jahren im Landesjagdausschuss. Der verheiratete Vater von drei Kindern war seit 2013 Stellvertreter von Brandmayr, der seit 2007 an der Spitze des Landesjagdverbandes stand und nicht mehr kandidierte. Als Sieghartsleitners Stellvertreter wurden Volkmar Angermeier aus Eferding und Andreas Gasselsberger aus Ried im Innkreis gewählt. In Oberösterreich gibt es laut Landesjagdverband über 19.300 Jäger, ca. 600 Jungjäger kommen jährlich dazu, bei einer Drop-out-Rate von zehn Prozent bei der Prüfung.




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