Letztes Update am Mi, 24.04.2019 14:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nationaler Gedenktag für Völkermord an den Armeniern in Frankreich



Paris/Istanbul (APA/AFP) - Frankreich erinnert erstmals mit einem nationalen Gedenktag an den Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg. Regierungschef Edouard Philippe wollte am Mittwochabend um 18.45 Uhr einen Kranz am Denkmal für die Opfer des Massakers am rechten Seine-Ufer niederlegen. Auch eine Ansprache war vorgesehen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat unterdessen Frankreich wegen der Einführung eines „Gedenktags für den Völkermord an den Armeniern“ scharf attackiert. „Wenn wir jene betrachten, die bei der Armenier-Frage und dem Kampf gegen den Terrorismus versuchen, der Türkei Lehren zu den Menschenrechten und der Demokratie zu erteilen, sehen wir, dass sie alle eine blutige Vergangenheit haben“, sagte Erdogan am Mittwoch in Ankara.

Die Dokumente in den Archiven zeigten „ganz klar“, dass die Franzosen für den Völkermord in Ruanda verantwortlich seien und auch in Algerien Massaker begangen hätten, sagte Erdogan. Die Regierung in Ruanda wirft Frankreich seit langem vor, eine Mitverantwortung für die Massaker der Volksgruppe der Hutu an den Tutsi zu haben, wobei 1994 rund 800.000 Menschen getötet wurden. Frankreich weist dies jedoch zurück.

Die Türkei kritisiert seit Wochen die Entscheidung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, den 24. April zum „Gedenktag für den Völkermord an den Armeniern“ zu erklären. An diesem Tag waren 1915 in Istanbul mehr als 200 Mitglieder der armenischen Elite deportiert worden. Für die Armenier markiert dies den Beginn der vom damaligen, modernistisch-westlich orientierten Regime der „Jungtürken“ initiierten Massaker, denen ihren Angaben zufolge bis zu 1,5 Millionen Angehörige ihrer Volksgruppe zum Opfer fielen.

Eine Gedenkfeier für die Opfer der Deportationen in Istanbul wurde am Mittwoch von den Behörden verboten. Die Polizei löste eine Kundgebung vor dem Museum für Islamische Kunst auf, in dem die Armenier am 24. April 1915 inhaftiert worden waren. Der Antirassismus-Aktivist Benjamin Abtan sagte, es sei das erste Mal seit neun Jahren, dass die Gedenkfeier an diesem Ort verboten worden sei.

Die türkische Regierung gesteht zwar ein, dass es während des Ersten Weltkriegs im Osmanischen Reich zu Deportationen und Massakern an den Armeniern gekommen ist, lehnt aber den Begriff „Völkermord“ vehement ab. Nach ihrer Darstellung wurden im Chaos des Krieges auch auf türkischer Seite Hunderttausende Zivilisten getötet. Um die Bewertung der Ereignisse gibt es seit Jahren Streit mit anderen Staaten.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte den 24. April im Februar zum Tag der Erinnerung an den Völkermord an den Armeniern gemacht. Damit löste er ein Wahlkampfversprechen gegenüber der großen armenischen Gemeinde im Land ein. Frankreich hatte die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich schon 2001 offiziell als „Völkermord“ eingestuft - als erstes großes europäisches Land.

Im April 2015 verurteilte auch der Österreichische Nationalrat die Gräueltaten als Völkermord. Ankara zog deswegen zeitweise den Botschafter aus Wien ab.




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