Letztes Update am Mi, 24.04.2019 14:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lanzarote feiert 100. Geburtstag von Cesar Manrique



Arrecife (APA) - Die bergig-grünen Kanareninseln La Palma und Gomera locken mit tollen Wanderungen. Gran Canaria und Fuerteventura mit super Stränden. Teneriffa hat den Teide-Vulkan. Und Lanzarote? Neben bizarren Lavalandschaften und einigen Stränden vor allem mit Kunst und Kultur. Und das ist hauptsächlich einem zu verdanken - Cesar Manrique. Der Inselkünstler wäre heute, Mittwoch, 100 Jahre alt geworden.

„Manrique hat die Insel geprägt wie kein anderer. Ohne sein Wirken wäre Lanzarote heute eine ganz andere Insel“, versichert Bettina Bork. Die deutsche Architektin aus Krefeld lebt seit über 30 Jahren auf der spanischen Kanareninsel. Bis kurz vor seinem Tod 1992 arbeitete sie enge mit Manrique zusammen.

Sie hat Recht. Tatsächlich gehören seine Kunstwerke, Freilicht-Skulpturen, Windspiele, architektonischen Landschaftsbauten, Aussichtpunkte und Museen heuer zu den größten kulturellen Touristenattraktionen der Insel überhaupt. Sie sind über die gesamte Insel verteilt. Im Norden zieht der dramatisch in die Felsklippen geschlagene Aussichtspunkt Mirador del Río mit seinen Panoramablicken auf die vorgelagerte Insel La Graciosa die Urlaubermassen an. Unweit davon befinden sich sein kunstvoll angelegter Kakteen-Landschaftspark und die Jameos del Agua, der an mehreren Stellen eingestürzte und von Manrique umgestaltete Lavatunnel, heuer eine den beliebtesten Besucherattraktionen der Insel.

Sein ehemaliges Wohnhaus, ein teils in fünf unterirdischen Lavablasen eingefügtes Gebäude, wurde noch von ihm selber in eine Kulturstiftung umgewandelt, wo ein Großteil seiner Gemälde und Skulpturen ausgestellt sind. Weitere Werke finden Besucher in der Militärfestung von San Jose in der Inselhauptstadt Arrecife, welche Manrique 1975 ins Internationale Museum für zeitgenössische Kunst MIAC verwandelte.

„Ich werde unsere Insel zum schönsten Ort der Welt machen“, versprach Manrique, als er 1968 aus New York auf seine Heimatinsel zurückkehrt. Dabei schwärmten dem Künstler und Architekten aber nicht nur Kunstwerke und bizarre Gebäude vor. Er kümmerte sich vor allem auch darum, dass Lanzarote nicht dem Schicksal der touristischen Nachbarinseln folgte.

„Er setzte seine internationale Bekanntheit und Kontakte ein, Lanzarote vor den Auswüchsen des startenden Massentourismus zu bewahren“, erklärt Bork. Dabei hatte er einen mächtigen Verbündeten. Seinen Jugendfreund und Inselpräsidenten Pepin Ramirez Cerda. Auf Manriques Initiative setzten sie in den 80er Jahren durch, dass Häuser nur im traditionellen Inselstil und nicht höher als ausgewachsene Palmen gebaut werden durften. Er kämpfte für ökologisch vorbildliche Ferienanlagen und gegen die Landschaft verunstaltende Reklameschilder und Strommasten. Ihm ist es zu verdanken, dass Lanzarote 1993 von der UNESCO zum Biosphärenreservat ernannt wurde, wodurch größere Bau- und Umweltsünden bis heute weitgehend verhindert werden konnten.

„Mit seinem Kampf gegen Bettenburgen, Partymeilen und Hochhäuser machte sich Cesar aber auch viele Feinde in der Politik und der Tourismusbranche“, erinnert sich Bork. Einige Politiker wollten den berühmtesten Sohn der Insel sogar zur „unerwünschten Person“ erklären.

Doch heute ist der Umweltaktivist und Künstler nahezu eine Art „Inselheiliger“. Mit Ausstellungen, Konzerten, Theatervorführungen und Dokumentarfilmen feiert Lanzarote am Mittwoch ein Jahr lang den 100 Geburtstag Manriques. Seine Stiftung will sogar ein Musical über sein Leben und Werk produzieren. In Konferenzen über Klimawandel, Kunst und Natur, Landschaftsarchitektur, Umweltschutz, Korruption und Immobilienauswüchse wird 2019 seinem Erbe gedacht.

„Lanzarote ist natürlich mehr als Cesar Manrique. Aber ohne ihn ist unsere Insel nicht zu verstehen. Er war und ist immer noch unser größter internationaler Botschafter“, gesteht Lanzarotes Kulturverantwortlicher Oscar Perez.

(SERVICE: Fremdenverkehrsamt Lanzarote www.turismolanzarote.com/de - Stiftung Cesar Manrique www.fcmanrique.org)




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