Letztes Update am Do, 25.04.2019 10:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internationale Pressestimmen zum Gipfeltreffen Russland-Nordkorea



Wladiwostok (APA/dpa/AFP) - Zum ersten Gipfeltreffen des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin schreiben die Zeitungen am Donnerstag:

„Moskowski Komsomolez“ (Moskau):

„Nach dem Abbruch der Verhandlungen mit US-Präsident Donald Trump hat sich der oberste Repräsentant des ganzen koreanischen Volkes auf einmal an Russland erinnert. Der Kreml versucht schon seit 2015, Kim Jong-un nach Russland zu locken - und jetzt hat es endlich geklappt: der Panzerzug des Machthabers von Nordkorea ist in Wladiwostok angekommen. Dort sind die Gespräche mit Wladimir Putin. Natürlich ist dieser Zeitpunkt kein Zufall.

Nach dem unglücklichen Treffen mit Donald Trump in Hanoi braucht Kim einen Vermittler, der den Verhandlungsprozess wieder in eine konstruktive Richtung steuert. Moskau ist dazu völlig in der Lage. Nach Meinung von Experten ist das Nordkorea-Problem eines der wenigen, bei dem die Zusammenarbeit Russlands und der USA noch voll erhalten ist. Und die Amerikaner hören auf unsere Meinung.“

„La Repubblica“ (Rom):

„Die Reise von Kim nach Wladiwostok soll zeigen, dass das Regime andere Wege hat, um aus der Isolation herauszukommen. In Russland arbeiten 10.000 Nordkoreaner (...), und das oberste Ziel des Diktators ist es, zu verhindern, dass Putin sie bis Ende des Jahres ausweist, wie es die Sanktionen vorsehen würden. Abgesehen davon allerdings dürfte das Treffen (...) nicht viel mehr hervorbringen.

Putin will wieder in der nordkoreanischen Partie mitspielen (...). Schwer vorstellbar, dass er das zugesteht, was Kim von ihm verlangt: die Sanktionen einseitig zu lockern. Für Putin wäre das eine weitere Grobheit gegenüber den USA, aber auch eine Flucht nach vorne, die dem chinesischen Nachbarn nicht gefallen würde. Zu viel für ein erstes Treffen mit Kim.“

„Frankfurter Neue Presse“:

„Bisher konnten sie nur zuschauen, wie der Nordkoreaner erfolglos mit US-Präsident Donald Trump verhandelte. Der Streit beschäftigt die Russen. Dass sie mit diesem ersten Putin-Kim-Gipfel nun mittendrin sind, komplettiert Moskaus lange Liste der internationalen Konfliktlösungspolitik. Das Treffen passt zum Anspruch des Landes, bei Krisen in dieser Welt - ob in Venezuela, Libyen oder Syrien - stets mitzumischen und Lösungen anzubieten. Putins Spezialität dabei: Er redet auch mit jenen, die so viel Blut an den Händen haben, dass kaum ein anderer Weltpolitiker sich öffentlich mit ihnen zeigen möchte.“

„Westfälische Nachrichten“ (Münster):

„Es ist noch gar nicht lange her, da hat Nordkoreas Staatsführer mit Raketentests und bizarren Atom-Drohungen die Welt in Angst und Schrecken versetzt. Kims wilde Jahre sind offenbar vorbei. Nun übt sich der Diktator mit Mantel und Hut in Sonderzug-Diplomatie - wohl auch der Not gehorchend. (...) Wie eng wird Putin Kim umarmen? Moskau hegt ein Interesse, sich bei der Konfliktlösung in Korea einzubringen. Und Kim signalisiert, dass er noch andere ‚Freunde‘ hat als Trump und die Chinesen. Das freut zwar Putin, aber der Kreml darf zugleich Peking nicht verprellen. China sieht sich als Hauptverbündeter Nordkoreas.“




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