Letztes Update am Do, 25.04.2019 10:54

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Japans Notenbank legt sich auf Niedrigzins bis ins Jahr 2020 fest



Tokio (APA/Reuters) - Angesichts unsicherer Konjunkturaussichten will Japans Notenbank noch mindestens ein Jahr an sehr niedrigen Zinsen festhalten. Die Währungshüter nannten nach ihrer geldpolitischen Sitzung am Donnerstag damit erstmals einen konkreten Zeitrahmen. Demnach soll diese Orientierungslinie bis „mindestens etwa Frühjahr 2020“ gelten.

Somit bekennt sich die Bank von Japan (BoJ) noch länger zu einem lockeren Kurs als die Europäische Zentralbank, die mindestens bis zum Jahresende an den Tiefzinsen festhalten will. Ihren Strafzins auf Einlagen von Geschäftsbanken beließen die Währungshüter in Tokio wie erwartet bei 0,1 Prozent. Zugleich wiederholten sie ihr Versprechen, die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen bei um die null Prozent zu halten.

Notenbankchef Haruhiko Kuroda erklärte nach dem Zinsbeschluss, womöglich werde die lockere Linie noch über das Frühjahr 2020 hinaus fortgeführt. Dies hänge ganz von der Datenlage ab. Die BoJ sei auf der Hut, insbesondere mit Blick auf die Folgen des internationalen Handelsstreits und die Abkühlung der Weltkonjunktur.

Die Stimmung bei den großen Industriekonzernen in dem Fernost-Land hat sich zum Jahresauftakt eingetrübt. Dabei spielen vor allem der anhaltende Zollstreit zwischen den USA und China sowie die schwächere Weltkonjunktur eine Rolle. Die Firmen bekommen insbesondere eine schwächere Nachfrage nach Elektroteilen, Autos und Investitionsgütern zu spüren. Die weiteren Konjunkturaussichten werden verhalten beurteilt.

Die Notenbank versucht seit Jahren, mit Wertpapierkäufen die Konjunktur anzukurbeln und für mehr Inflation zu sorgen. Eine Spirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und stockenden Investitionen hatte das Land lange Zeit gelähmt. Die Währungshüter versuchen, die Inflationsrate auf zwei Prozent hochzutreiben. Kuroda musste nun zum wiederholten Male einräumen, dass dies wohl noch länger als erwartet dauern werde.

In den Prognosen der Notenbank wird für das im April 2021 beginnende Haushaltsjahr eine Inflationsrate von 1,6 Prozent prognostiziert. Zuletzt war die Teuerungsrate unter Ausschluss schwankungsanfälliger Nahrungsmittelpreise indes nur halb so hoch. „Die BoJ ist in Sorge, dass die Verbraucherpreise nicht einmal steigen werden, wenn die aus Übersee drohenden Gefahren nachlassen sollten“, meint Ökonom Norio Miyagawa vom Finanzhaus Mizuho Securities. Doch ihre Mittel gegenzuhalten, seien nach Jahren der Geldschwemme begrenzt.




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