Letztes Update am Do, 25.04.2019 14:19

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kein Kinderlachen mehr in den Straßen von Sri Lanka



Colombo (APA/AFP) - Die Straßen von Katuwapitiya, einem Ortsteil von Negombo im Westen von Sri Lanka, sollten erfüllt sein vom Lärm spielender Kinder. Doch nach den tödlichen Anschlägen am Ostersonntag, bei denen auch mindestens 45 Kinder ums Leben kamen, herrscht Stille. „Diese Straßen sind normalerweise voller spielender Kinder“, sagt Suraj Fernando, dessen 12-jähriger Enkel Enosh ebenfalls getötet wurde.

„Jetzt sind alle zu Hause, weil sie traurig sind und Angst haben.“ In der St.-Sebastian-Kirche in Negombo sprengte sich während des Oster-Gottesdienstes ein Selbstmordattentäter in die Luft. Die Kirche war eines von drei Gotteshäusern und drei Hotels, die am Sonntag von Islamisten angegriffen wurden.

In Katuwapitiya gab es besonders viele Opfer. In nahezu jeder Straße hier stößt man auf eine Geschichte unvorstellbaren Leids. Da ist die 43-jährige Anusha Kumari, die von einer Mutter zweier Kinder zu einer trauernden Witwe wurde. Sie verlor bei den verheerenden Angriffen ihren Ehemann Dulip, ihren 13 Jahre alten Sohn Vimukthi und ihre 21-jährige Tochter Sajeni.

„Wir standen uns als Familie so nahe, und nun bin nur noch ich übrig“, sagt sie schluchzend und schlägt sich voller Schmerz gegen die Brust. Nebenan wohnte ihre Schwägerin mit ihren drei Kindern im Alter von sieben bis 13 Jahren. Sie kamen ebenfalls ums Leben, alle.

Dem UNO-Kinderhilfswerk UNICEF zufolge wurden bei den Anschlägen am Sonntag mindestens 45 Kinder getötet, 27 davon in Negombo. Unter ihnen war auch die 13 Jahre alte Shine Fernando, die am Mittwochnachmittag zur letzten Ruhe gebettet wurde. Vor ihrer Beisetzung war sie in einem offenen Sarg aufgebahrt, bekleidet mit einem rosafarbenen Kleid und einem Rosenkranz in ihren gefalteten Händen.

Die Einwohner von Katuwapitiya gehen von Haus zu Haus, bekunden ihr Beileid und versuchen die Eltern in ihrem unvorstellbaren Schmerz zu unterstützen. Enoshs verzweifelter Vater Ranjeewa Silva, dessen Ohr und Arm seit dem Anschlag bandagiert sind, schluchzt, als er Zeichnungen seines Sohnes von Tieren, Autos, Landschaften und Sonnenuntergängen zeigt.

Enosh sei ein unbekümmertes Kind gewesen, das jeder geliebt habe, erzählt er. „Er war sehr intelligent und kreativ. Er liebte Fußball und wusste alles über Spieler aus aller Welt. Sein Lieblingsspieler war Lionel Messi.“

Enoshs Mutter ist zutiefst erschüttert. Familienmitglieder erzählen, sie habe seit dem Tod ihres Sohnes nichts gegessen und nicht gesprochen. Als Trauergäste Gebetsgesänge anstimmen, sackt sie an eine Wand gelehnt in sich zusammen.

Unter den Trauernden sind auch Kinder, auch Enoshs Bruder Dimithra. „Wir haben immer zusammen gespielt. Er war wie mein bester Freund“, sagt der groß gewachsene 15-Jährige leise und lächelt schüchtern.

Einwohner haben weiße Flaggen in ihren Gärten aufgehängt, ein Zeichen des Respekts für die vielen Toten des Ortes. In den Straßen rund um die St.-Sebastian-Kirche hängen Transparente an den Häusern der Verstorbenen. Auf vielen sind die Gesichter kleiner, lächelnder Kinder zu sehen. Andere zeigen getötete Eltern, die Kinder hinterlassen.

Die Schulen in Negombo sind diese Woche geschlossen. Wenn der Unterricht nächsten Montag wieder beginnt, wird der Verlust sehr deutlich an den leeren Tischen in einigen Klassenräumen abzulesen sein.




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