Letztes Update am Fr, 26.04.2019 10:28

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internationale Pressestimmen zu Bidens Präsidentschafts-Bewerbung



Washington (APA/AFP/dpa) - Die Zeitungen schreiben zur Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur des früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden:

„Frankfurter Allgemeine“:

„Wenn das so weitergeht, dann ist das Feld der Demokraten, die im kommenden Jahr gegen den Präsidenten Trump antreten wollen, bald zwei Fußball-Mannschaften stark. Das ist schon mal ein kleiner Vorteil für den Amtsinhaber. Joe Biden, Obamas Vizepräsident und zuvor langjähriger Senator, ist jetzt der zwanzigste Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Partei - und mit 76 Jahren ist er der zweitälteste. (...) Biden fällt aus dem ideologischen Rahmen: Er ist der Moderate unter den Möchtegern-Herausforderern Trumps. Hätte er eine Chance, Arbeiterwähler, die für Trump gestimmt hatten, für die Demokraten zurückzugewinnen? Vielleicht, Kampfeswillen hat er ja. Der demographisch-politische Großtrend könnte allerdings genauso gut in die andere Richtung gehen.“

„Neue Zürcher Zeitung“:

„Bidens Erfahrung und Bekanntheitsgrad dürfte ihm auch helfen, in dem in Amerika sehr wichtigen Wettbewerb um Spendengelder erfolgreich zu sein. Nur deshalb hat er es sich auch leisten können, bis jetzt mit seiner Kandidatur zuzuwarten. Außerdem ist Biden für den Kampf um die Stimmen der Wechselwähler gut aufgestellt, da er zum gemäßigten Flügel der Partei gehört.(...) Wenn sie Trump besiegen wollen, müssen sie vor allem in den Staaten des Rust Belt Wähler zurückgewinnen, die ihre Stimme 2012 Obama und dann 2016 Trump gegeben haben. Ein Kandidat vom radikalen Parteiflügel eignet sich dazu nicht. In den Zwischenwahlen vom vergangenen Herbst beispielsweise gingen die meisten von den Demokraten eroberten Kongresssitze an gemäßigte Kandidaten. Joe Biden, ein gemäßigter und erfahrener Politfuchs, bietet sich deshalb im Moment als der erfolgversprechendste Kandidat an, um Donald Trump 2020 aus dem Weißen Haus zu vertreiben.“

„Times“ (London):

„Biden wird sich wahrscheinlich als pragmatischer Vertreter der politischen Mitte positionieren und hoffen, aus Obamas Erbe Kapital schlagen zu können. Doch die Demokratische Partei hat sich in den vergangenen drei Jahren verändert. Obama ist zwar bei den Mitgliedern immer noch populär, aber das Gravitationszentrum der Partei hat sich nach links verschoben. (...) Biden wird sich entscheiden müssen, ob er diesen linken Fantasien nachgibt oder versucht, die Nominierung seiner Partei (als Präsidentschaftskandidat) zu gewinnen, indem er den Mitgliedern die Schwachstellen einer solchen wirtschaftlich ruinösen Politik klarmacht. Natürlich könnte Biden einer solchen Entscheidung auch ausweichen und einfach so weitermachen wie er begonnen hat - mit Attacken gegen Trump. Doch damit würde er riskieren, sich selbst irrelevant zu machen.“

„Corriere della Sera“ (Mailand):

„Biden hat sich mit einer apokalyptisch klingenden Botschaft präsentiert. (...) Das Video beginnt mit dem Aufmarsch von Rechtsextremen in Charlottesville im August 2017; den Worten von Trump, es habe auf beiden Seiten sehr anständige Leute gegeben. Bidens Kommentar: ‚Bei der Wahl 2020 steht die Seele des Landes auf dem Spiel.‘

Die symbolischen, emotionalen Bezüge sind die traditionellen: Thomas Jeffersons ‚selbstverständliche Wahrheiten‘ (‚alle Menschen sind gleich geschaffen‘), die mit Migranten beladenen Schiffe unter der Freiheitsstatue, eine Rede von Martin Luther King. Jetzt wird sich zeigen, ob der amerikanische Traum, der Mix aus Jefferson und King ausreicht, um die demokratische Nominierung zu erringen und dann, im Herbst 2020, Trump zu schlagen.“




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