Letztes Update am Fr, 26.04.2019 11:43

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Messerattacke vor Tiroler Schule 2: Geschworene bei Beratung



Innsbruck/Absam (APA) - Im Prozess gegen einen 19-Jährigen wegen versuchten Mordes zogen sich die Geschworenen am späten Vormittag zur Beratung zurück. Der Angeklagte entschuldigte sich in seinem Schlusswort vor Gericht bei den beiden Opfern und deren Familien.

„Ich wollte mich am Mittwoch (am ersten Prozesstag, Anm.) schon entschuldigen. Ich habe mich dann aber so dafür geschämt, was ich getan habe, dass ich mich nicht entschuldigen konnte“, meinte der 19-Jährige. Er beteuerte erneut, dass er niemanden umbringen wollte.

Sein Verteidiger, Mathias Kapferer, verwies in seinem Schlussplädoyer immer wieder auf die psychische Erkrankung seines Mandanten, die Psychiaterin Adelheid Kastner bei dem 19-Jährigen diagnostiziert hatte. „Mein Mandant ist massiv psychisch beeinträchtigt, ihm fehlt jegliches Sensorium für soziale Realitäten“, meinte Kapferer. Ein gesunder Mensch hätte den Streit vor der Attacke, der laut dem Angeklagten mitunter ursächlich für seinen Angriff war, einfach beendet und wäre nach Hause gegangen. „Mein Mandant kann das aber nicht“, so der Verteidiger, der mehrmals wiederholte, dass der 19-Jährige nicht logisch denke.

Kapferer rief in seinem Schlussplädoyer immer wieder den Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ in Erinnerung. „Sie müssen sich fragen, ob es nicht sein kann, dass mein Mandant sein Opfer tatsächlich nur verletzten wollte. Und wenn Sie diese Frage mit ‚Ja‘ beantworten, dann gibt es keinen Tötungsvorsatz“, meinte der Verteidiger in Richtung der Geschworenen.

„Der Verteidiger muss versuchen, Zweifel bei Ihnen zu begründen“, griff Staatsanwalt Florian Oberhofer in seinem Schlussplädoyer dem Appell des Verteidigers bereits vor. Er selbst habe aber keinen Zweifel daran, dass bei dem Angeklagten zumindest ein bedingter Tötungsvorsatz vorliege. „Jedes Kind weiß, dass man durch einen Stich in den Hals sterben kann“, sagte der Staatsanwalt.

Die Verantwortung des 19-Jährigen, dass er seinem ersten Opfer nur ins Auge stechen bzw. ihn nur verletzen wollte, sei „Blödsinn“, erklärte Oberhofer. „Wenn er ihn nur verletzten wollte, warum hat er dann nicht in einen Arm oder in den Rücken gestochen. Das ist alles nicht plausibel“, meinte der Staatsanwalt zu den Aussagen des Beschuldigten. Ein Urteil wurde für Freitagnachmittag erwartet.




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