Letztes Update am Fr, 26.04.2019 14:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spanien-Wahl - Pedro Sánchez: Vom Hinterbänkler zum Regierungschef



Madrid (APA/dpa) - Nicht einmal ein Jahr ist es her, als im spanischen Parlament die ganz große Stunde des Pedro Sánchez schlug. Anfang Juni 2018 stieg der Sozialist durch einen Misstrauensantrag gegen den damaligen konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy zum Regierungschef auf.

Jedoch gelang der Gipfelsturm nur mit Hilfe mehrerer kleiner Separatistenparteien aus Katalonien - die die Minderheitsregierung im Februar nicht länger stützten und den 47-Jährigen zur Ankündigung einer Neuwahl am 28. April zwangen.

Obwohl Sánchez politisch anders eingenordet ist als Angela Merkel, vertrugen sich die beiden von Anfang an gut - vor allem was den Kampf gegen die Fremdenfeindlichkeit in Teilen Europas betrifft. Im vergangenen Sommer lud er die Bundeskanzlerin gleich zur Landpartie nach Andalusien inklusive Strandspaziergang. Ob er dazu noch einmal Gelegenheit bekommt, ist aber fraglich. Zwar liegt seine Partei PSOE bei Umfragen vorne, aber für eine regierungsfähige Mehrheit reicht derzeit keine Konstellation. Der smarte Politiker war allerdings schon andere Male totgesagt worden und doch immer wiedergekehrt.

2014 wurde der Ökonomiedozent mit Doktortitel erstmals zum Parteichef gewählt. Ein riesiger Sprung für den Hinterbänkler, den bis dahin in Spanien kaum jemand gekannt hatte. Der begeisterte Sportler, der wegen seines guten Aussehens den Spitznamen „Pedro el Guapo“ (Pedro, der Hübsche) trägt, sollte mit seinem Charme auch der PSOE neue Attraktivität verleihen.

Keine leichte Aufgabe, denn er musste sich nicht nur als Oppositionsführer mit der konservativen Regierung Rajoys auseinandersetzen, sondern auch mit einem neuen linken Rivalen: Die Partei Podemos (Wir können) machte der PSOE Wähler abspenstig.

Aus der Parlamentswahl 2015 gingen die Sozialisten dann auch als große Verlierer hervor. 2016 trat Sánchez gar als PSOE-Chef zurück, nachdem er sich monatelang geweigert hatte, in einer politischen Pattsituation eine neue Amtszeit Rajoys zu tolerieren. Der kam schließlich dennoch an die Macht - aber auch Sánchez gelang im Mai 2017 das Comeback an der PSOE-Spitze.




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