Letztes Update am Fr, 26.04.2019 15:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bosnisch-serbischer Spitzenpolitiker Dodik vom Papst empfangen



Vatikanstadt (APA) - Milorad Dodik, serbisches Mitglied des dreiköpfigen Staatspräsidiums von Bosnien-Herzegowina, ist am Freitag von Papst Franziskus im Vatikan empfangen worden, wie Kathpress meldet.

Der seit November amtierende Dodik hat derzeit den turnusmäßigen Vorsitz im Staatspräsidium inne und wurde begleitet von Zeljka Cvijanovic, der Präsidentin der kleineren Entität des Landes, der Republika Srpska.

Im Anschluss sprachen Dodik und seine Delegation mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und Antoine Camilleri, dem vatikanischen Untersekretär für die Beziehungen zu den Staaten. Im Anschluss teilte der Vatikan mit, man habe über die soziale und wirtschaftliche Situation des Landes sowie die Lage der Katholiken dort gesprochen. Auch sei es um die weitere Versöhnung im Land und eine angemessene institutionelle Vertretung aller Bevölkerungsgruppen gegangen.

Um den Besuch von Dodik hatte es Streit gegeben. Der Vertreter der muslimischen Bosniaken im Staatspräsidium, Sefik Dzaferovic, hatte erklärt, Dodik reise nicht im Namen der Regierung in den Vatikan. Dodik bestritt dies. Im Anschluss sagte Dodik dem serbischen Sender RTRS, er habe mit dem Papst über die Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften gesprochen, die nötig sei, um Frieden und Stabilität zu erlangen. Zuvor hatte Dodik laut Medien erklärt, er wolle dem Papst die Verbrechen der kroatischen Ustascha an Serben im Zweiten Weltkrieg darlegen.

Dodik, zuvor Präsident der Republika Srpska, gilt als Nationalist. Wiederholt stellte er den Bestand von Bosnien-Herzegowina als gemeinsamem Staat der muslimischen Bosniaken, der orthodoxen Serben und der katholischen Kroaten infrage. Für Aufsehen sorgte er unter anderem, indem er das Ausmaß des Massakers von Srebrenica wie auch die Unabhängigkeit des Haager Strafgerichtshofs im Kriegsverbrecher-Verfahren gegen den bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic anzweifelte.

Erst im Februar 2018 war das Staatspräsidium Bosnien-Herzegowinas mit allen drei Mitgliedern im Vatikan, damals mit Mladen Ivanic als serbischem Vertreter. Anfang Februar dieses Jahres trat der Botschafter für Bosnien-Herzegowina beim Heiligen Stuhl, Josip Gelo, nach nur zweieinhalb Monaten ab, ohne dass Gründe dafür bekannt wurden.

Bosnien-Herzegowina und der Heilige Stuhl unterhalten seit 1998 diplomatische Beziehungen. Im Juni 2015 hatte Franziskus der Hauptstadt Sarajevo einen eintägigen Besuch abgestattet und dabei die Bewohner und Politiker des multireligiösen und multiethnischen Landes eindringlich zu Dialog und Friedensbemühungen aufgerufen.




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