Letztes Update am So, 28.04.2019 12:14

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Grusel-Trash: „Frankenstein“ von Oley am Landestheater NÖ



St. Pölten (APA) - In der Theaterwerkstatt des Landestheaters NÖ in St. Pölten wird das Publikum zum „niederösterreichischen Gruseltheater“ begrüßt: Am Samstagabend hat „Frankenstein“ von Dominic Oley „sehr frei nach Mary Shelley“ in der Regie des Autors seine Uraufführung erlebt. Ein unterhaltsamer, ziemlich trashiger Abend.

„Ein Monster ist der, dessen Geschichte du noch nicht gehört hast. Und Humor ist der beste Transmitter, diese mit dem Herzen zu verstehen“, wird Oley am Programmzettel zitiert. Humor bringt er jedenfalls auf, indem er den Frankenstein-Mythos und seine Genese mit einiger parodistischer Ironie durchmischt, die in ihren besten Passagen an den schrägen Klamauk von Monty Python erinnert, wenn etwa Percy Shelley (Tobias Artner spielt auch Victor Frankenstein) den komplizierten Weg zur Erfüllung seiner Notdurft zuvor minutenlang memorieren muss.

Die köstlich zur Schau gestellte Dreierbeziehung zwischen Percy, Lord Byron (Tobias Voigt brilliert auch als Golem) und Mary Godwin (apart: Cathrine Dumont) bildet den Plot-Rahmen für die Erzählung von der Erschaffung eines künstlichen Menschen, dem versehentlich statt des Gehirns eines intellektuellen Wissenschafters das eines deutsch-nationalen, am Tourette-Syndrom leidenden Idioten eingepflanzt wurde. Ebenfalls im Trubel mehrfach verwickelt: Josephine Bloéb und Othmar Schratt. Nur wenn der rote Faden nicht durchgängig hält und mancher Mono- oder Dialog gelegentlich in Geplapper mündet, hat der sonst durchaus einfallsreiche und auf Effekte bedachte Regisseur Oley den Autor Oley zu wenig eingebremst. Unterm Strich sind 70 amüsante Minuten zu verbuchen: eine originelle Persiflage auf das Homunkulus-Motiv mit hintergründigen Anklängen.

(S E R V I C E - Landestheater NÖ, Theaterwerkstatt: Dominic Oley, „Frankenstein“. Regie: Dominic Oley, mit Cathrine Dumont, Tobias Voigt, Tobias Artner, Josephine Bloeb und Othmar Schratt. Weitere Vorstellungen bis 11. Juni, Tickets und Information: Tel. 02742/908080-600, www.landestheater.net)

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