Letztes Update am So, 28.04.2019 15:53

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreich will bis 2025 Handel und Tourismus mit China stark erhöhen



Peking (APA) - Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ist am Sonntag von Chinas Premierminister Li Keqian mit militärischen Ehren und Salutschüssen empfangen worden. Auch das sei ein Zeichen, wie Österreich in China geschätzt werde, sagte Kurz nach dem Treffen. Immerhin sei er im ersten Jahr seiner Amtszeit schon zum dritten Mal in China.

Österreich habe in den Beziehungen mit China zwei große Ziele: Bis 2025 soll der Tourismus verdoppelt werden, der bilaterale Handel von derzeit 13 auf 20 Mrd. Euro steigen, so Kurz. Auf dem Weg dorthin gebe es mehrere Punkte zu erreichen: Künftig sollen für gemeinsame Projekte, auch in Drittstaaten, gemeinsame Exportkredite von Österreich und China vergeben werden. Ab Juni gibt es von Wien einen vierten Direktflug nach China (neben Shanghai, Peking und Shenzhen auch Guangzhou). Um chinesischen Touristen das Einkaufen in Österreich zu erleichtern, soll die Österreich-Werbung heimischen Tourismusunternehmen Alipay, die Zahlungstochter des chinesischen Internetgiganten Alibaba, und WeChat ans Herz legen. Mit Li sei weiters eine verstärkte Zusammenarbeit im Vorfeld der Winterolympiade 2022 vereinbart worden.

Österreich hat im Rahmen dieses Besuchs von Kurz mehrere Vereinbarungen mit der chinesischen Seite unterzeichnet, darunter eines über die Entschädigung von Betrug betroffener österreichischer Firmen im Volumen von 16 Mio. Euro. Über Firmennamen wollte Kurz nicht reden, der prominenteste bekannte Fall ist der Flugzeugkomponentenhersteller FACC. Das oberösterreichische Unternehmen, mehrheitlich in chinesischer Hand, war Ende 2015 Opfer eines „Fake President Fraud“ (Geschäftsführer-Trickbetrugs) geworden. Die Täter hatten sich in E-Mails gegenüber der Buchhaltung als der Firmenchef ausgegeben und die Überweisung von 54 Mio. Euro auf ausländische Konten veranlasst.

Bei dem Treffen mit Li sei auch über Bürgerrechte gesprochen, worden, so Kurz. Der chinesische Premier habe dazu angemerkt, dass der Fokus der chinesischen Regierung derzeit darauf liege, die Menschen aus der Armut zu führen. Auch eine Einladung nach Österreich habe er ausgesprochen, auf die Li positiv reagiert habe, Termin gebe es aber vorerst keinen.

Vor dem Gespräch mit Li hatte Kurz die Zeit für einen Besuch im Pekinger Künstlerviertel 798 genutzt und wurde anschließend durch die Verbotene Stadt geführt. Für den Gast aus Österreich war der zentrale Teil der Touristenattraktion abgesperrt, die Menschen warteten aber geduldig, teilweise winkten sie freundlich der Delegation zu. Kurz ließ es sich nicht nehmen, am Ende auf die Wartenden zuzugehen und mit ihnen kurz zu plaudern, was bei diesen sichtbar große Freude auslöste.

Der offizielle Besuch fügt sich an die Teilnahme des Bundeskanzlers beim Seidenstraßenforum an, in dem Chinas President Xi Jinping zwei Tage lang 37 Staats- und Regierungschefs um sich versammelt hatte, um für sein Infrastruktur-Investitionsprogramm zu werben. Am morgigen Montag geht es nach einer Unterredung von Kurz mit Xi an die Rückreise nach Wien.




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