Letztes Update am So, 28.04.2019 20:44

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Yeziden verweigern Kindern von IS-Opfern Aufnahme in Gemeinschaft



Bagdad (APA/AFP) - Kinder von yezidischen Frauen, die von Kämpfern der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) vergewaltigt wurden, können nicht Teil der Religionsgemeinschaft werden. Das stellte der Oberste Geistliche Rat der Yeziden am Samstag klar.

Demnach gelte eine vergangene Woche veröffentlichte Anweisung des weltlichen Oberhaupts Hasem Tahsin Said über die Akzeptanz von Opfern des IS nur für Kinder zweier yezidischer Eltern.

Die Glaubensgemeinschaft der Yeziden wurde von der Jihadistenmiliz IS im Irak und Syrien jahrelang wegen ihrer Religion verfolgt. Hunderttausende Yeziden sind seit 2014 geflüchtet, viele davon nach Deutschland, wo es inzwischen die größte Exil-Gemeinschaft der Yeziden gibt.

In der Sinjar-Region im Nordwesten des Iraks lebten einst 500.000 Yeziden. Die Jihadisten töteten die Männer, rekrutierte die Buben als Kindersoldaten, vergewaltigte Frauen und Mädchen und missbrauchte sie als Sexsklavinnen. Die Kinder aus diesen Vergewaltigungen sind seitdem ein hitzig debattiertes Thema in der religiösen Minderheit, die nur Menschen mit zwei yezidischen Eltern als Teil ihrer Gemeinschaft akzeptiert.

Lange Zeit galten auch Frauen, die vom IS zwangsverheiratet wurden, nicht mehr als Yezidinnen. 2015 entschied der geistliche Führer der Yeziden im Irak, Baba Sheich, diese Frauen wieder aufzunehmen, ohne das Schicksal ihrer Kinder zu klären. Die Frauen mussten sich entscheiden: Von ihren yezidischen Verwandten getrennt leben, oder ihre Kinder zurücklassen - dutzende entschieden sich in den vergangenen Monaten für letzteres.

Im Irak erben Kinder die religiöse Zugehörigkeit ihres Vaters. Kinder sunnitischer Muslime wären als ebenfalls sunnitische Muslime. Kinder vermisster oder toter IS-Kämpfer laufen Gefahr, staatenlos zu bleiben, weil die Identität ihrer Väter nicht nachgewiesen werden kann.

(Alternative Schreibweise: Jesiden)




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