Letztes Update am Mo, 29.04.2019 05:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


15 Jahre EU-Erweiterung - Immer noch ärmer als EU-Durchschnitt



EU-weit/Wien (APA) - Die meisten Experten sind sich einig: Wirtschaftlich war die große EU-Erweiterung des Jahres 2004 ein großer Erfolg. Doch 15 Jahre danach ist auch klar, dass die wirtschaftliche Konvergenz von Alt- und Neumitgliedern trotz des teils rasanten Aufholprozesses in letzteren noch auf sich warten lässt. Immer noch ist keines der neuen Mitgliedsstaaten reicher als der EU-Durchschnitt.

Es genügt ein Blick auf die EU-Konjunkturprognose für das heurige Jahr: Während im EU-Durchschnitt ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent vorhergesagt wird, verbuchen die Neumitglieder zum Teil mehr als doppelt so hohe Wachstumsraten. Estland und Litauen haben mit jeweils 2,7 Prozent noch die schlechtesten Werte, Malta (5,2 Prozent) und die Slowakei (4,1 Prozent) die besten.

In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Wirtschaftskraft aller zehn Neumitglieder mit Ausnahme Sloweniens und Zyperns erhöht. Beide Staaten waren während der Finanzkrise am Rande des Bankrotts, wobei es Zypern besonders hart erwischte. Dessen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf nach Kaufkraftparitäten hatte im Jahr 2008 schon fast den EU-Durchschnitt (99,6 Prozent) erreicht, ehe es einbrach. Mit 85 Prozent des EU-Durchschnitts liegt die zypriotische Wirtschaftskraft nach den aktuellsten Eurostat-Daten aus dem Jahr 2017 immer noch deutlich unter dem Wert des Beitrittsjahres 2004 (91 Prozent).

Einen Rückschritt machte auch Slowenien. Der frühere EU-Musterschüler hatte im Jahr 2007 als erstes Neumitglied den Euro eingeführt, weswegen er in der Finanzkrise mit voller Wucht getroffen wurde. Von 86,5 Prozent des EU-Durchschnitts im Beitrittsjahr ist die slowenische Wirtschaftskraft auf 85 Prozent im Jahr 2017 gesunken. Damit musste es auch den Platz des wohlhabendsten postkommunistischen Beitrittslandes an Tschechien (89 Prozent des EU-BIP pro Kopf) räumen.

Von allen zehn Beitrittsländern am wohlhabendsten war im Jahr 2017 Malta mit 96 Prozent der EU-Wirtschaftskraft pro Kopf. Damit konnte das kleinste EU-Land, das im Jahr 2004 mit 80 Prozent des EU-BIP pro Kopf gestartet war, das große Nachbarland Italien einholen.

Den größten Sprung nach vorne machte Litauen, dessen BIP pro Kopf nach Kaufkraftparitäten sich von 52 auf 78 Prozent erhöhte. Es folgen Estland (von 57 auf 79 Prozent), Lettland (von 47 auf 67 Prozent), die Slowakei (von 57 auf 76 Prozent) und Polen (von 51 auf 70 Prozent). Etwas geringer fielen die Anstiege in Tschechien (von 78 auf 89 Prozent) und Ungarn (von 63 auf 68 Prozent) aus.

Während kein Beitrittsland den EU-Durchschnitt erreichen konnte, konnten mit Ausnahme Lettlands alle den Euro-Krisenstaat Griechenland (67 Prozent des durchschnittlichen BIP pro Kopf nach Kaufkraftparitäten) überholen. Portugal haben Malta, Zypern, Tschechien, Slowenien, Estland und Litauen hinter sich gelassen. Zum Vergleich die österreichische Wirtschaftskraft pro Kopf: Sie lag im Jahr 2017, wie schon im Jahr 2004, bei 127 Prozent des EU-Durchschnitts.




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