Letztes Update am Mo, 29.04.2019 08:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Große Ratsversammlung in Afghanistan begonnen



Kabul (APA/dpa) - Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen hat am Montag in Kabul die Große Ratsversammlung begonnen. Rund 3.200 Delegierte aus dem ganzen Land sprechen vier Tage lang über Wege zu Frieden mit den radikalislamischen Taliban. Sie wollen einen Fahrplan zu Friedensgesprächen und die roten Linien für mögliche Verhandlungen mit den Aufständischen bestimmen.

Allerdings boykottierten mehrere namhafte Politiker und Präsidentschaftskandidaten die Veranstaltung, darunter der Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah. Sie hatten sich von der Entscheidung über eine Abhaltung der Jirga ausgeschlossen gefühlt oder die Veranstaltung als Zeit- und Geldverschwendung kritisiert, die lediglich dem Wahlkampf des amtierenden Präsidenten Ashraf Ghani diene. Ghani stellt sich im September seiner Wiederwahl.

Die Taliban lehnten die Loja Jirga ab. Sie hatten am Sonntag erklärt, die Versammlung sei lediglich eine „Show der Handlanger der USA“ in Afghanistan. Der Cheforganisator der Jirga, Mohammed Omar Daudsai, dankte ihnen in der Eröffnungsrede am Montag, dass sie den Teilnehmern erlaubten, nach Kabul zu reisen.

In Kabul waren in den vergangenen Tagen Dutzende zusätzliche Kontrollposten und Straßensperren errichtet worden. Frühere Große Ratsversammlungen waren mit Raketen angegriffen worden.

Loja Jirgas werden in Afghanistan regelmäßig einberufen, wenn große nationale Fragen geklärt werden sollen. Seit dem Fall der Taliban im Jahr 2001 wurden fünf Große Ratsversammlungen abgehalten, zuletzt 2013 zur Frage, ob ein Sicherheitsabkommen mit den USA unterzeichnet werden soll. Ergebnisse einer beratenden Loja Jirga sind für den Präsidenten nicht bindend.




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