Letztes Update am Mo, 29.04.2019 11:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bayer - DWS hält Austausch des Vorstands nicht für sinnvoll



Leverkusen (APA/Reuters) - Die Fondsgesellschaft DWS will keinen Wechsel im Bayer-Vorstand nach dem Misstrauensvotum durch die Aktionäre. „Einen Austausch des Managements würden wir zum aktuellen Zeitpunkt nicht für sinnvoll erachten“, teilte der größte deutsche Einzelinvestor des Pharma- und Agrarchemiekonzerns aus Leverkusen am Montag mit. Der Bayer-Vorstand war am Freitag von den Aktionären nicht entlastet worden.

Die DWS erwarte von Bayer nun eine klare Strategie, wie man mit Reputations- und Nachhaltigkeitsrisiken umgehen wolle. „Die DWS hat sich bei der Entlastung enthalten, da wir mit der Aktienkursentwicklung alles andere als zufrieden sind und aus unserer Sicht die Rechtsrisiken von Bayer unterschätzt worden sind“, sagte Nicolas Huber, Leiter Corporate Governance bei der DWS, mit Blick auf die Monsanto-Übernahme. „In einem Jahr haben wir Aktionäre dann hoffentlich mehr Klarheit.“

Die Fondsgesellschaften Union Investment und Deka hatten gegen die Entlastung des Bayer-Vorstands gestimmt, wollen diesem aber eine zweite Chance geben. Mit der riskanten Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto und dem schwachen Aktienkurs unzufriedene Anteilseigner hatten der Bayer-Führung auf der Hauptversammlung am Freitag in Bonn eine schwere Niederlage zugefügt: Der Bayer-Vorstand wurde bei dem Aktionärstreffen nicht entlastet, nur dem Aufsichtsrat sprachen die Eigentümer das Vertrauen aus.

Auch der Großaktionär Union Investment will dem Management eine zweite Chance einräumen. Die Aktionäre seien mit den Rechts- und Reputationsrisiken und den damit verbundenen massiven Kursverlusten zwar extrem unzufrieden, teilte Analyst Janne Werning von der Fondsgesellschaft am Sonntag mit. „Vorstand und Aufsichtsrat haben jedoch eine zweite Chance verdient, um die Risiken in den Griff zu bekommen und das Unternehmen wieder auf einen stabilen Wachstumspfad zurückzuführen.“ Ein überstürzter Austausch des Vorstandschefs würde das Risiko einer Zerschlagung erhöhen und könne damit nicht im Sinne von langfristig orientierten Investoren wie Union Investment sein. „Da die Klagerisiken frühestens im nächsten Jahr besser einzuschätzen sind, halten wir es für fair und nötig, der Unternehmensspitze mehr Zeit zu geben.“

Auch die Fondsgesellschaft Deka, nach eigenen Angaben auf Platz zehn der größten Geldgeber des Pharma- und Agrarchemiekonzerns, hatte vor einem Wechsel des Vorstands zum aktuellen Zeitraum gewarnt. Zwar hatte die Deka gegen die Entlastung gestimmt, wollte das aber als Warnschuss verstanden wissen. Ein neues Management würde das Chaos noch vergrößern.

„Bei der Komplexität des Unternehmens würde Bayer wichtige Zeit verlieren, wenn sich ein neues Management einarbeiten müsste“, hatte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka, gesagt. „Niemand kann wollen, dass neben all dem Chaos auch noch das Tagesgeschäft brachliegt.“ Nach dem Misstrauensvotum durch die Aktionäre hatte Speich Vorstand und Aufsichtsrat von Bayer aufgefordert, „künftig endlich wieder auf die Aktionäre zu hören“.

~ ISIN DE000BAY0017 WEB http://www.bayer.de/ ~ APA164 2019-04-29/11:11




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