Letztes Update am Mo, 29.04.2019 14:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


OeNB-Vize Ittner: Die Finanzkrise bleibt spürbar



Wien (APA) - Obwohl es durch die Einführung einer grenzüberschreitenden Bankenaufsicht einen „institutionellen Quantensprung in Europa“ gegeben habe, „bleibt die Finanzkrise nach wie vor spürbar“, nicht nur in der Realwirtschaft, sondern auch im Bankenbereich, sagte Nationalbank-Vizegouverneur Andreas Ittner am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten. „Kaum eine Bank in Europa notiert über ihrem Buchwert.“

Lange Zeit sei bei der Bankenaufsicht nur eine Verbesserung der Vernetzung der nationalen Strukturen im internationalen Fokus gestanden, sagte Ittner. Mit dem einheitliche Bankenaufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism, SSM) hätten die systemischen Banken eine integrierte und grenzüberschreitend agierende Aufsicht bekommen, sagte Ittner, der sich um einen Posten im Aufsichtsgremium der EZB-Bankenaufsicht bewerben will. Im SSM würden 82 Prozent der konsolidierten Bilanzsumme direkt beaufsichtigt, „in Österreich sind es inklusive Bank Austria ungefähr 60 Prozent“.

Der österreichische Bankensektor stehe nach der Finanzkrise gut da, meinte Ittner, „insbesondere, wenn man ihn mit den restlichen Banken im SSM vergleicht“. Die harte Kernkapitalquote („core equity tier-1/CET-1“) der österreichischen Großbanken betrage 14 Prozent und sei damit etwa so hoch wie im SSM, die Rentabilität (Return on Assets, RoA) sei mit 0,8 Prozent doppelt so hoch wie im SSM und die NPL-Quoten (notleidende Kredite) würden kontinuierlich sinken.

Dennoch sei es „nicht gelungen, die Kosten-Ertrags-Relation (CIR) im Bankensektor relevant zu reduzieren“. Die gestiegene Profitabilität sei vorwiegend auf die gesunkenen Risikovorsorgen zurückzuführen. Der „Brennpunkt“ auf den man sich konzentrieren müsse, seien die Kosten.

Trotz der Fortschritte gelte es weiterhin wachsam zu sein, Risiken seien heute wegen des Zusammenspiels vieler verschiedener Faktoren nicht mehr berechenbar. „Wir müssen flexibel aufgestellt sein, um die Entwicklungen, die sich aus der Globalisierung ergeben, abschätzen zu können - und das macht man am besten durch die stärkere Anwendung von Szenario-Analysen.“ Die Antwort auf überregionale Risiken könne keine rein nationale sein, gerade ein wirtschaftlich offenes Land wie Österreich brauche europäische Lösungen wie den SSM.

Die OeNB werde auch nach der Reform der Finanzmarktaufsicht ein wesentlicher Player auf dem Finanzmarkt sein, sagte Ittner, „eine effektive Partnerschaft in der Zusammenarbeit mit der FMA wird wesentlich sein“, insbesondere für kommende Krisen. „Da sehe ich auch eine besondere Rolle der OeNB - die OeNB wird der natürliche Kompetenzpartner zur Früherkennung von Risiken und zur strategischen Weiterentwicklung des Finanzmarktes sein“.

Was er von der Reform und von der Konzentration der Aufsichtsagenden bei der FMA hält, kommentierte Ittner zurückhaltend. „Diese Regierung hat eine Entscheidung getroffen. Die ist noch nicht durchs Parlament durch. Es ist das legitime Recht jeder Regierung, die Aufsicht so zu strukturieren, wie sie es für bestmöglich erachtet.“ Daher werde die Nationalbank auch sehr konstruktiv an der neuen Konstellation mitarbeiten. Soweit er die neue Struktur jetzt kenne, werde das „eine relevante Herausforderung“ sein.

~ WEB http://www.oenb.at/ ~ APA301 2019-04-29/14:02




Kommentieren