Letztes Update am Mo, 29.04.2019 16:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Berliner Ensemble bekommt neue Spielstätte



Berlin (APA/dpa) - Das Berliner Ensemble bekommt eine neue, zweite Spielstätte. Bis zum Herbst wird ein älteres Nebengebäude des Theaters am Schiffbauerdamm umgebaut. Nach mehr als 125 Jahren erhalte das Theater damit erstmals eine zweite, vollausgestattete Spielstätte, kündigte Intendant Oliver Reese am Montag auf der Baustelle an. Damit könne eine „Wunde in der Historie“ des Theaters geschlossen werden.

Bisher wird auf einer provisorischen zweiten Bühne gespielt. Nach dem 5,5 Millionen Euro teuren Umbau soll das Neue Haus mit 185 Plätzen am 20. September erstmals bespielt werden: Karen Breece setzt sich in ihrer dokumentarischen Inszenierung „Mütter und Söhne“ mit rechtem Denken und rechter Gewalt auseinander. Neben einer Bar im Foyer entsteht zudem noch ein dritter Ort: Ein Werkraum soll Platz für Streitgespräche, Lesungen, Workshops und Formate jenseits des Repertoirebetriebs bieten.

Das Theater am Schiffbauerdamm war 1892 eröffnet worden, damals noch unter anderem Namen. Erst mit dem Einzug von Bertolt Brecht 1954 hieß es Berliner Ensemble. In der neuen Spielzeit plant Reese 14 Premieren, darunter sieben Uraufführungen. „Gegenwart ist weiterhin unser Programm, die Auseinandersetzung mit großen aktuellen Themen bestimmt nach wie vor unseren Spielplan. Wir suchen weiterhin große Texte und Stoffe für die Bühne und wollen auch in Zukunft etwas riskieren und uns und diese wirre Zeit mit unserer Theaterarbeit selbst hinterfragen“, wurde Reese in den Unterlagen zitiert. Der Intendant selbst bringt Ferdinand von Schirachs zweites Theaterstück „Gott“, in dem es auch um Sterbehilfe gehen soll, zur Uraufführung.

Ersan Mondtag inszeniert zu Beginn der Spielzeit Bertolt Brechts „Baal“ mit Stefanie Reinsperger in der Titelrolle, zum Abschluss der Saison beschäftigt sich Bernhard Mikeska mit der langjährigen Brecht-Mitarbeiterin Ruth Berlau: In „Berlau :: Königreich der Geister“ begeben sich die Zuschauer „in eine szenische 360 Grad Installation und kommen Ruth Berlau und Bertolt Brecht live wie virtuell sehr nahe“, heißt es in der Ankündigung. Andrea Breth kehrt mit der Komödie „Drei Mal Leben“ von Yasmina Reza zurück ans Berliner Ensemble. Frank Castorf inszeniert Erich Kästners Roman „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“. Michael Thalheimer widmet sich Karl Schönherrs „Glaube und Heimat“ sowie Rainer Werner Fassbinders „Katzelmacher“. Regisseur Robert Borgmann dramatisiert Michel Houellebecqs „Die Möglichkeit einer Insel“, die niederländische Regisseurin Stephanie van Batum liefert mit „Pussy“ eine „Ode an die Männlichkeit“, und der belgische Autor-Regisseur Stef Lernous überschreibt „König Ubu“ von Alfred Jarry.

(S E R V I C E - https://www.berliner-ensemble.de)




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