Letztes Update am Di, 30.04.2019 05:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Steuerreform - KöSt sinkt bis 2023 unter derzeitigen EU-Durchschnitt



Wien (APA) - Das Steuerrecht unterscheidet zwischen juristischen und natürlichen Personen. Natürliche Personen zahlen Einkommensteuer, juristischen Personen Körperschaftsteuer (KöSt). Die KöSt soll im Rahmen der Steuerreform nun in zwei Schritten 2022/23 von 25 auf 23 und dann 21 Prozent sinken. Damit sinkt die Steuer auf Unternehmensgewinne unter den Durchschnitt in der EU-28, der 21,9 Prozent beträgt.

Die KöSt-Einnahmen haben sich im Vorjahr auf 9,136 Milliarden Euro belaufen. Jeder Prozentpunkt einer Senkung kostet also rund 370 Millionen Euro. So kommt man auch auf die kolportieren 1,5 Mrd. Euro an Entlastung für Unternehmen im Rahmen der Steuerreform.

Es ist die erste Senkung der KöSt seit der schwarz-blauen Steuerreform 2004/05. Damals lag Österreich mit einem Steuersatz von 34 Prozent deutlich über dem EU-Schnitt. Angesichts der EU-Osterweiterung senkten ÖVP und FPÖ die Gewinnsteuer für Unternehmen damals auf 25 Prozent.

Seit 1995 haben auch alle anderen EU-Länder ihre Körperschaftsteuersätze deutlich reduziert. Besonders stark war der Rückgang in Mittel- und Südosteuropa, berichtete das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) zuletzt in einer Studie. In den 13 neuen EU-Mitgliedsländern sind die Unternehmenssteuersätze im Durchschnitt um 13,3 Prozentpunkte gesunken - von 31,4 auf 18,1 Prozent. Im Durchschnitt der „alten“ EU-15-Länder gingen die Unternehmenssteuersätze von 38 auf 25,3 Prozent zurück.

Eine von der EU-Kommission vorgeschlagene konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage würde den Steuerwettbewerb zwischen den einzelnen Ländern nicht beseitigen, meint das Wifo - der Steuerwettbewerb könnte sich dadurch sogar noch verschärfen. Eine Möglichkeit, diesen Wettbewerb zu beschränken, könnte ein EU-weiter Mindest-KöSt-Satz sein, so die Wifo-Experten.

Als Körperschaften gelten juristische Personen des privaten Rechts wie Aktiengesellschaften (AG), Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH), Genossenschaften und Vereine. Es gibt auch juristische Personen des öffentlichen Rechts - Bund, Länder, Kammern, Sozialversicherungsträger und gesetzlich anerkannte Religionsgemeinschaften.

Die KöSt baut auf dem Einkommensteuergesetz (EStG) auf, wurde jedoch in einem eigenen Gesetz geregelt, da verschiedene auf natürliche Personen ausgerichtete Bestimmungen des EStG auf Körperschaften nicht anwendbar sind.




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