Letztes Update am Di, 30.04.2019 06:02

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


donaufestival: Technoider Doppelgänger und Lust am gepflegten Lärm



Krems (APA) - „KULTUR“: So einfach und gleichzeitig allumfassend hat das in Barcelona ansässige Duo El Conde de Torrefiel ihre Auftragsarbeit für das diesjährige donaufestival in Krems betitel, das am Freitag zur Uraufführung kommen wird. Doch das zweite Wochenende lockt nicht nur damit, sondern auch mit einem technoiden Doppelgänger, zuckenden Körpern und der Lust am gepflegten Lärm.

Tanya Beyeler und Pablo Gisbert haben sich als El Conde de Torrefiel in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht, der weit über die alternative Performanceszene hinausreicht. Mit „KULTUR“ soll nun der nächste Schritt in ihrer Entwicklung folgen - zumindest, wenn man der Ankündigung Glauben schenken mag. Ihre „performative Installation“ verlasse den klassischen Theaterraum, „explizite Szenen“ sind zu erwarten, und im öffentlichen Raum komme es letztlich zu einer Überlagerung mit einer nachgestellten Castingsituation. Wem das zu vage formuliert ist, der kann sich an einer Zahl festhalten: Einlass gibt es nämlich erst ab 18 Jahren.

Nicht zum ersten Mal in der Wachau zu Gast ist das Rimini Protokoll, das sich heuer mit Autor Thomas Melle zusammengetan hat. „Unheimliches Tal“ ist die von Stefan Kaegi konzipierte Produktion tituliert, die dem Publikum im Forum Frohner eine Begegnung mit einem menschlich wirkenden Roboter beschert. Melle wurde nämlich ein animatronisches Double verpasst, das die Diskrepanz zwischen Original und Kopie illustrieren soll. Aber reichen mittlerweile vielleicht ohnehin in Bewegungen übersetzte Datenpakte, um Emotionen auszulösen? Melle selbst wird das per Videoschaltung wohl nicht unkommentiert stehen lassen.

Ebenfalls eine alte Bekannte ist Ligia Lewis, die nach „minor matter“ im Jahr 2017 heuer mit ihrer neuen Arbeit „Water Will (in Melody)“ zugegen ist. Schaurige Bilder von märchenhaftem Gestus werden hier Teil „einer Slapstick-Fantasie aus schwarzem Latex und weißen Handschuhen“, wird versprochen. Für Lewis und ihre drei Kollegen scheint das eine durchaus fordernde Angelegenheit zu sein, wenn sie ihre Körper zucken und sich krümmen lassen, um den Abschluss der Farbtrilogie „Blue, Red, White“ voranzutreiben.

Musikalisch offenbart sich die in Krems so gern bemühte Schnittmenge aus vertrackter Harmonie und Soundrausch in allerlei Facetten: Das Münchner Kollektiv Ark Noir lässt etwa Jazz und Techno aufeinandertreffen, die kolumbianische Produzentin Lucrecia Dalt ist gleichermaßen Geschichtenerzählerin wie Beattüftlerin, und Sean L. Bowie alias Yves Tumor muss in Avantgardekreisen ohnehin niemandem mehr vorgestellt werden. Hier kreuzen sich Horror und Pop, Aggression und Liebkosung in besonderer Manier. Ebenfalls noch am Freitag lassen Godflesh mit ihrem Industrial die Wände erzittern.

Wer sich zwischendurch nach lieblichen Melodien sehnt, der kann sich am Samstag bei Flotation Toy Warning ein Lächeln aufs Gesicht zaubern lassen. Aber letztlich ist ja nichts von Dauer, weshalb Hyph11E nur wenig später den elektronischen Vorschlaghammer auspackt, bevor der deutsche Musiker Sascha Ring als Apparat mit durchaus melancholischen Stücken zum Tanz bittet. Das bunte Angebot wird am abschließenden Sonntag von brasilianischem Hardcore (Deafkids), österreichischer Avantgarde (schtum) und intensiven Clubsounds (Nkisi) komplettiert. Beenden darf das donaufestival schließlich die englische Rapperin und Autorin Kate Tempest - eine Künstlerin, die Anspruch und Direktheit eindrucksvoll kombiniert.

(S E R V I C E - donaufestival an verschiedenen Locations in Krems, zweites Wochenende von 3. bis 5. Mai; detaillierte Infos zum Programm sowie Tickets unter www.donaufestival.at)

(B I L D A V I S O – Pressebilder zu den verschiedenen Künstlern stehen unter www.donaufestival.at/de/presse/presse-1 zum Download bereit.)




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