Letztes Update am Di, 30.04.2019 12:51

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Steirischer Landtag: Konstruktive Debatte um neues Gesundheitstelefon



Graz (APA) - Verglichen mit den zuletzt hitzigen und beinahe untergriffigen Debatten zur Gesundheitspolitik in der Steiermark ging es am Dienstagvormittag im Landtag sachlich und konstruktiv zu: Anlass der Diskussion war eine aktuelle Stunde der KPÖ, die Probleme nach einem Monat des neuen Gesundheitstelefons thematisierte. Der zuständige ÖVP-Gesundheitslandesrat Christopher Drexler kündigte Verbesserungen an.

KPÖ-Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler begann mit ausgesuchten Fällen des mit 1. April eingeführten Gesundheitstelefon: So musste eine obersteirische Mutter mit einer Anfrage zu ihrem an Ohrenschmerzen und Fieber leidenden Sohn (4) zwei Stunden auf Auskunft warten. „Damit hat sich das Gesundheitstelefon nicht als Helfer in der Not, sondern als Kummernummer entpuppt.“ Es mag schon sein, so die Klubobfrau, dass es Einzelfälle seien, aber man könne gut und gern zehn bis 15 Minuten bei einem 30-minütigen Gespräch am Telefon einsparen. An einem Wochenende hätten rund 200 Personen pro Stunde angerufen. Zum Vergleich: Beim Gesundheitstelefon in NÖ habe man das ganze Jahr rund 16.000 Anrufe registriert, mit einer Beratung im Schnitt von 14 Minuten. Es brauche auch eine ständige Evaluierung, nicht erst in drei Jahren wie angekündigt, so die Kommunistin.

Drexler räumte Probleme in der Anfangsphase ein, lobte dann aber auch die zumeist sachliche Kritik der Opposition. Ein neues Bereitschaftsdienstmodell und das neue Gesundheitstelefon 1450 könnten nun mal auch zu Anfangsproblemen führen: „Das wurde von mir bereits im Februar antizipiert.“ Man wolle an den Schrauben drehen, damit es besser funktioniere. Die Grundkonzeption halte er aber für sehr gut, sagte Drexler.

Die hohe Zahl an Anrufen sei nicht zu berechnen gewesen, im ersten Monat sollen es rund 9.000 gewesen sein. In NÖ habe man in demselben Monat rund 1.700 Anrufe registriert. Drexler verteidigte das standardisierte Abfrageschema: „Stellen Sie sich vor, es wird keine Frage gestellt und die falsche Maßnahme getroffen, na servas.“ Die Abklärung dauerte in der Steiermark im Schnitt 15 Minuten, in Wien und NÖ seien es 14 Minuten. „14 Minuten, ich bitt‘ Sie, im ersten Monat“, sagte Drexler. Wichtig sei, dass kein Notfall übersehen werde. Laut dem Landesrat habe es im ersten Monat über das System veranlasste 1.324 Visiten und 51 First Responder-Einsätze gegeben. Man werde wegen der Verbesserungen mit den Partnern wie u.a. Rotes Kreuz, GKK und Ärztekammer sprechen.

LAbg. Arnd Meißl (FPÖ) meinte, die Landesregierung habe im Gesundheitsbereich „viele Baustellen zu verantworten“ - die Zeitprobleme bei Totenbeschau, Ärztemangel, Leitspital, Herzchirurgie Graz und nun die Lücken bei Bereitschaftsdienst und Gesundheitstelefon. Auch seien die Sprengel im Bereitschaftsdienst der Ärzte viel zu groß. Es brauche eine Art mobile Hausapotheke, auch seien Fahrer für die Ärzte anzudenken, schlug Meißl vor.

Die Grüne Abgeordnete Sandra Krautwaschl bemängelte, dass es für Ratsuchende schwierig sei, relativ rasch die richtige Ansprechperson zu finden. Es braucht unter Umständen mehr offene Ordinationen wie etwa in OÖ, da könnten „banalere“ Fälle abgefangen werden. Ein Fahrdienst könnte „akutere“ Fälle abdecken.

SPÖ-LAbg. Karl Petinger (SPÖ) mahnte wie Drexler im Sinne der Vertrauensbildung ein, dass man gemeinsam an der Verbesserung arbeiten müsse. ÖVP-Klubobfrau Barbara Riener sagte, die hohe Zahl der Anrufe sei „wirklich nicht zu erwarten gewesen“. Mit dem Gesundheitstelefon 1450 habe man ein neues Triage-System. Das Vertrauen der Bevölkerung in das System zu stärken bedeute auch, inhaltlich sachlich und kritisch an die Dinge herangehen.

Am späten Nachmittag musste sich Gesundheitslandesrat Drexler noch einer dringlichen Anfrage der FPÖ zum Thema „Stresstest für Ärzte-Bereitschaftsdienst offenbart umgehenden Handlungsbedarf“ stellen.




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