Letztes Update am Di, 30.04.2019 17:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Guaidó sucht mit Putschaufruf Entscheidung in Venezuela



Caracas (APA/Reuters) - In Venezuela versucht Oppositionsführer Juan Guaidó den seit Wochen andauernden Machtkampf mit einem Aufruf zum Militärputsch für sich zu entscheiden.

Mehrere Dutzend überwiegend junge Soldaten schlossen sich am Dienstag vor einem Luftwaffenstützpunkt nahe der Hauptstadt Caracas dem selbst ernannten Übergangspräsidenten an und lieferten sich Schusswechsel mit Militärs, die dem sozialistischen Staatschef Nicolás Maduro die Treue halten.

Zunächst schien der Machterhalt der sozialistischen Regierung nicht gefährdet. Maduro erklärte, er habe sich der Loyalität der Militärführung versichern können. „Nerven aus Stahl“, schrieb er auf Twitter. „Wir werden siegen.“

Guaidó rief in einer Videobotschaft per Twitter die Schlussphase seines Machtkampfes mit Maduro aus. Er zeigte sich überzeugt, dass er die Unterstützung des Militärs habe: „Die nationalen Streitkräfte haben die richtige Entscheidung getroffen und sie zählen auf die Unterstützung der venezolanischen Bevölkerung“, sagte Guaidó.

Auch Hunderte Zivilisten schlossen sich dem 35-Jährigen vor der Luftwaffenbasis La Carlota bei Caracas an. Augenzeugen zufolge gingen Sicherheitskräfte mit Tränengas gegen Guaidó vor, der demnach später die Kundgebung verließ. Für Mittwoch hat er die größten Proteste in der Geschichte des Landes angekündigt.

Doch vorerst schien sein Widersacher Maduro die Oberhand und die Kontrolle über die staatlichen Einrichtungen zu behalten. Der 56-Jährige appellierte an die Venezolaner: „Ich rufe zur maximalen Mobilisierung des Volkes auf, um den Sieg des Friedens sicherzustellen“, twitterte er. Seine Regierung sprach von einem Putschversuch einer kleinen Gruppe „militärischer Verräter“. Verteidigungsminister Vladimir Padrino sagte, in allen Stützpunkten herrsche „Normalität“. Maduro hat Guaidó als Marionette der USA bezeichnet, die ihn aus dem Amt jagen wolle.

Die Regierung von Präsident Donald Trump hält wie mehrere Dutzende andere Länder - darunter Österreich - zu Guaidó. Trump sei über die Lage in Venezuela informiert worden, teilte das Präsidialamt mit. Der Stabschef im Weißen Haus, Mick Mulvaney, warnte die hinter Maduro stehenden Regierungen Russlands und Kubas vor einer Einmischung. Als zentral für die EU-Linie gilt Spanien. Die nach den jüngsten Wahlen kommissarische Regierung in Madrid erklärte, sie stehe zwar weiter hinter Guaidó. Statt eines Militärputsches müsse es aber Wahlen in Venezuela geben.




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