Letztes Update am Di, 30.04.2019 20:21

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EZB-Aufseher fürchten Schlappe der Deutschen Bank in US-Stresstest



Frankfurt (APA/Reuters) - Die EZB-Bankenaufseher machen sich einem Insider zufolge Sorgen, dass die Deutsche Bank erneut durch den US-Stresstest fallen könnte.

Deutschlands größtes Geldhaus habe zwar in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht und seine Beziehungen zur US-Notenbank Fed verbessert, doch seien die von den amerikanischen Aufsehern in der Vergangenheit als mangelhaft kritisierten internen Kontrollen weiterhin schwach, sagte ein europäischer Bankenaufseher der Nachrichtenagentur Reuters.

Das erhöht den Druck auf das Institut, im US-Investmentbanking den Rotstift anzusetzen. Nachdem die Bank bereits 2015, 2016 und 2018 durch den Stresstest gerasselt war, fürchten Aufseher, dass das Ansehen der Deutschen Bank bei einer erneuten Schlappe weiteren Schaden nehmen könnte. Falls die Deutschen die Prüfung wieder nicht bestehen, könnte die Fed zudem Beschränkungen für das US-Investmentbanking des Geldhauses verhängen.

Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte, das Geldhaus habe viel investiert, um sicherzustellen, dass es die Anforderungen der Aufseher erfüllt und habe erhebliche Fortschritte gemacht. Die Fed, die die Ergebnisse des diesjährigen Stresstests voraussichtlich Ende Juni veröffentlicht, sowie die Europäische Zentralbank (EZB) lehnten eine Stellungnahme ab.

Die Deutsche Bank war im vergangenen Jahr als einziges Institut durch den qualitativen Teil des Stresstest der Fed gefallen. Die Notenbank kritisierte, der Test habe teilweise „erhebliche Schwächen“ bei der US-Tochter des größten deutschen Geldhauses offenbart. So habe sie „weitreichende und kritische Defizite“ bei der Kapitalplanung der Deutschen Bank gefunden. Bereits 2015 und 2016 hatten die Frankfurter die Latte gerissen. 2017 hatte das Institut nicht am qualitativen Teil des Stresstests teilgenommen.

Die Befürchtungen der Aufseher erhöhen den Druck auf die Deutsche Bank, ihre Komplexität in den USA zu verringern. Konzernchef Christian Sewing hatte zwar bereits kurz nach seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr der Bank eine Rosskur verordnet und insbesondere im Aktiengeschäft gekürzt. Jedoch fordern wichtige Investoren und Analysten weitere Einschnitte im Investmentbanking, vor allem in den USA. Im ersten Quartal machte die Sparte - die mehr als die Hälfte der Konzernerträge beisteuert - einmal mehr Verlust, die Erträge fielen schneller als die Kosten.

Bisher schreckt Sewing vor drastischen Einschnitten zurück. Bei der Vorstellung der Quartalsbilanz vergangene Woche sagte er, dass das Geldhaus strategische Alternativen prüfe. Das Institut werde aber eine weltweit relevante Bank bleiben, die auch weiterhin in den USA, Asien und Europa vertreten sein und ihre Kunden bedienen werde. Das ist laut Sewing nicht verhandelbar. Aufsichtsratschef Paul Achleitner sagte der „Financial Times“ in einem am Montag veröffentlichten Interview, es sei keine grundlegende Veränderung in der Investmentbanking-Sparte nötig.

~ ISIN DE0005140008 WEB https://www.deutsche-bank.de/index.htm

http://www.ecb.int ~ APA519 2019-04-30/20:18




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