Letztes Update am Mi, 01.05.2019 10:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Odyssee“ als vielfältige Heimatsuche im Bregenzer Theater Kosmos



Bregenz (APA) - Das Theater Kosmos in Bregenz hat am Dienstagabend mit der Uraufführung von Philip Jenkins‘ Werk „Odyssee - Ein Stück über (das „über“ ist durchgestrichen, Anm.) Heimat“ gepunktet. Gekonnt vermischt Jenkins in seinem Werk mythologische Motive aus Homers Odyssee mit sehr realen Heimat-Beschreibungen. Auf der Bühne standen dafür Profis und Laien, die gemeinsam viel Applaus erhielten.

In der Aufführung schlüpft Theaterleiter Hubert Dragaschnig in die Rolle des Odysseus und erzählt dessen abenteuerliche Reise sehr unterhaltsam und straff nach. Natürlich ist er der Abenteurer. Aber Dragaschnig gibt den vermeintlichen Helden auch als geschlagenen, müden Kämpfer, der den Verlust vieler Gefährten betrauert. Ihm gegenüber steht Sabine Lorenz als seine Königin Penelope. Sie stellt das Bild der Ehefrau mit größter Überzeugung dar. Stolz und unnahbar verweilt sie am Hof und wartet auf ihren Mann, mit List und Tücke kann sie ihre Verehrer in Schach halten. Lorenz gefällt in dieser Rolle und zeigt sich glamourös, stark und selbstbewusst.

Umgeben sind Dragaschnig und Lorenz von einer Gruppe von Laiendarstellern, die jedoch nicht in Rollen schlüpfen, sondern kleine Geschichten aus ihrem Leben schildern und damit eine Blick auf ihren Heimatbegriff gewähren. Ein Kleinbauer spricht über die sich verändernde bzw. verschwindende Heimat; der Polizist über seinen Beruf, der Tradition und damit auch Heimat sein kann; die Immigrantin oder die Zugereiste sprechen über den Verlust und den Aufbau einer neuen Heimat, die weit herumgekommene Heimkehrerin zeigt auf, welcher Ort ihr tatsächlich Heimat bedeutet, und der humanistisch gebildete Lehrer findet seine Heimat in Latein und Altgriechisch. Sevgi Barlas, Annette Dangel, Isabella Wild, Nikolai Jochum, Elmar Marent, Hartmut Vogl sind keine Schauspieler, und darum gibt es auch durchaus Schwächen in der Performance. Anderseits bringen sie ihre tatsächliche Person ins Rampenlicht, und das macht ihre Berichte ehrlich, authentisch und sehr liebenswert. Eine Bereicherung für diesen Theaterabend und das Thema.

Philip Jenkins inszeniert die beiden Ebenen parallel nebeneinander und lässt Annäherung nur sehr behutsam zu. Der Regisseur bewies eine sehr gute Hand bei der Zusammenstellung des Texts und bei der Darstellung. Sabine Ebner, verantwortlich für die Ausstattung und seit zehn Jahren immer wieder Ausstatterin bei Jenkins, schuf für diese Produktion ein einfaches Bühnenbild. In der Mitte steht quasi ein Holzpodest für die Hauptgeschichte, die vor allem von den beiden Profis bespielt wird. Dahinter gibt es verschiedene kleinere Podeste mit unterschiedlichen Holzsesseln - die kleinen Lebenswelten der einzelnen Akteure, die für ihre Berichte jeweils nach vorne ans Mikro treten.

Jenkins Stück beleuchtet den Begriff Heimat von unterschiedlichen Seiten auf sehr anschauliche Weise, lässt natürlich aber auch genügend Raum für weitere Interpretationen offen. Die Uraufführung ist ein gelungener Beitrag des Theater Kosmos zum 100-Jahr-Jubiläum des Zusammenschlusses des heutigen Stadtteils Rieden-Vorkloster mit Bregenz. Das Publikum jedenfalls war sehr zufrieden und belohnte Profis und Laien gemeinsam mit dem Produktionsteam mit viel Applaus.

(S E R V I C E: „Odyssee - ein Stück über Heimat“ von Philip Jenkins nach Motiven von Homer. Uraufführung. Theater Kosmos, Bregenz. Mit Hubert Dragaschnig und Sabine Lorenz sowie Annette Dangel, Elmar Marent, Hartmut Vogl, Isabella Wild, Nikolai Jochum und Sevgi Barlas. Regie: Philip Jenkins, Ausstattung: Sabine Ebner, Licht: Matthias Zuggal. Weitere Aufführungen: 3., 4., 12., 17., 18. und 19. Mai 2019, jeweils 20 Uhr. Karten unter Telefon: +43 (0)5574-4080 und unter http://www.theaterkosmos.at)

(B I L D A V I S O - Pressebilder stehen unter https://theaterkosmos.at/kosmos/presseservice zum Download bereit.)




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