Letztes Update am Mi, 01.05.2019 22:19

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1. Mai - Gewalt und Hunderte Festnahmen bei Protesten in Frankreich



Paris (APA/dpa/AFP) - Bei Protesten zum 1. Mai ist es in Paris wieder zu Ausschreitungen gekommen. Am Rande einer Gewerkschaftskundgebung im Süden der Hauptstadt warfen militante Demonstranten am Mittwoch Steine und andere Gegenstände auf die Sicherheitskräfte, die Tränengas und Blendgranaten einsetzten, wie französischen Medien berichteten.

Bis zum Abend wurden mindestens 330 Menschen festgenommen, mindestens 220 kamen in Polizeigewahrsam, wie der Nachrichtensender BFMTV unter Berufung auf die Behörden bilanzierte. Es habe mindestens 38 Verletzte gegeben. Über den Straßen hingen Tränengasschwaden, Mülltonnen brannten. In der Hauptstadt gab es rund 18.000 „vorbeugende Kontrollen“, hauptsächlich von Taschen. Bereits vor einem Jahr hatte es in Paris schwere Krawalle gegeben.

Die Polizisten setzten Tränengas ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben, wie AFP-Reporter berichteten. 24 Demonstranten und 14 Sicherheitskräfte wurden dem französischen Innenministerium zufolge leicht verletzt.

Nach Angaben des Innenministeriums demonstrierten in ganz Frankreich rund 164.000 Menschen, davon etwa 28.000 bei der zentralen Kundgebung der Gewerkschaften in Paris. Die Gewerkschaften sprachen von landesweit 310.000 Teilnehmern.

Medien berichteten von 40.000 Demonstranten in der Hauptstadt, Gewerkschaften von 80.000 Teilnehmern. In weiten Teilen des Landes verliefen die Kundgebungen friedlich, in Paris heizte sich die Stimmung hingegen schnell auf.

In ganz Frankreich gingen mindestens 164.500 Menschen auf die Straße. Davon entfielen 28.000 auf Paris, wie BFMTV unter Berufung auf die Behörden berichtete. Innenminister Christophe Castaner sprach von 800 bis 1000 Randalierern des sogenannten schwarzen Blocks. Ein Krankenhaus und eine Polizeidienststelle im 13. Pariser Stadtbezirk seien angegriffen worden. „Sie (die Randalierer) haben den Gewerkschaften ihren internationalen Tag der Arbeit gestohlen“, sagte er.

An den Kundgebungen nahmen auch viele Anhänger der „Gelbwesten“-Bewegung teil, die seit November gegen die Reformpolitik von Staatschef Emmanuel Macron protestiert.

Der Chef der Hardliner-Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez, griff die Sicherheitsverantwortlichen scharf an. „Die Polizei hat die CGT angegriffen.“ Diese Darstellung wurde von der Polizei zurückgewiesen. Martinez sagte weiter, es gebe ein Problem mit Ressortchef Castaner. Martinez musste laut Medien die Pariser Kundgebung zeitweilig aus Sicherheitsgründen verlassen. Castaner hatte den Einsatz von mehr als 7400 Sicherheitskräften in der Hauptstadt angekündigt.

Die Rechtspopulistin Marine Le Pen griff nach den Ausschreitungen die Mitte-Regierung von Premier Édouard Philippe an. Sie trage die Verantwortlichkeit für die Gewalttätigkeiten.

Bei Protesten von Anhängern der „Gelbwesten“ war es in den vergangenen Monaten in Paris immer wieder zu Ausschreitungen gekommen. Deswegen sind einige Bereiche wie die Prachtstraße Champs-Élysées für Demonstrationen gesperrt.

Drei Verdächtige wurden in der Nacht in Polizeigewahrsam genommen, nachdem sie in der Nähe des Nordbahnhofs mit Benzinkanistern gestellt worden waren. Es handle sich um Ausländer, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Es werde wegen des Transports von brennbaren und explosiven Stoffen und Waffenbesitzes ermittelt. Informationen von BFMTV, wonach es sich bei den Verdächtigen um zwei Deutsche und einen Spanier handeln soll, wurden von den Ermittlern nicht bestätigt.




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