Letztes Update am Fr, 03.05.2019 09:41

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


OMV hätte ohne Libyen-Probleme im ersten Quartal operativ zugelegt



Wien (APA) - Ohne die immense Libyen-Belastung hätte der Öl- und Gaskonzern OMV heuer im ersten Quartal - anstelle des Rückgangs - das operative Ergebnis von Anfang 2018 toppen können, sagte Generaldirektor Rainer Seele am Freitag im APA-Gespräch. Aktuell ist er zu Libyen positiv: Es werde auf Normalniveau produziert, diese Mengen müssten nun anders als zum Jahresauftakt auch laufend verkauft werden können.

Den negativen Effekt durch die Libyen-Ausfälle bezifferte Seele auf Ebene des um Lagerbestände bereinigten CCS Operativen Ergebnisses vor Sondereffekten mit 144 Mio. Euro. Ohne diese Probleme wäre diese Kennzahl nicht um 7 Prozent auf 759 Mio. Euro gesunken, sondern hätte knapp über 900 Mio. Euro betragen und damit den vorjährigen Vergleichswert von 818 Mio. Euro spürbar übertroffen.

Die Produktion in Libyen laufe trotz der Unruhen im Land wieder stabil - und zwar auf dem normalen Niveau von rund 35.000 Barrel Öl-Äquivalent pro Tag, sagte Seele. Zum Jahresauftakt war man in der Produktion auf bis zu 15.000 boe/d zurückgefallen, konnte aber auch diese Mengen zum Teil nicht verkaufen. Die Infrastruktur funktioniere, man könne das Öl zu den Häfen transportieren, und auch die Verladung sei nicht beeinträchtigt.

Zweiter negativer Faktor für die OMV im Auftaktquartal waren höhere Abschreibungen im Ausmaß von -87 Mio. Euro. Diese resultierten im Wesentlichen aus den Zukäufen in Neuseeland in Q4/2018 und Abu Dhabi (Gaslagerstätte) in Q2/2018 sowie dem OMV-Anteil am neu gegründeten Unternehmen SapuraOMV Upstream Sdn. Bhd. in Malaysia. Dadurch legte im Zusammenhang mit neuen IFRS-Accounting-Standards (für Leasing) auch der OMV-Verschuldungsgrad auf 20 Prozent zu, nach 16 Prozent Anfang 2018 bzw. 13 Prozent im Ende 2018.

Die OMV-Raffineriemarge ist im ersten Quartal auf knapp über 4 Dollar pro Barrel zurückgefallen - und damit auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2016, wie Generaldirektor Seele betonte. Wegen der schwächeren Nachfrage habe man vielfach auf Lager produziert. Speziell bei Kraftstoffen und Nafta habe man Vorräte aufgebaut. Dadurch sei der an sich gute Cash-Zufluss belastet gewesen, der ohne Lagereffekte noch stärker ausgefallen wäre. Der Cashflow hätte 1,2 Mrd. Euro betragen können und wäre damit sehr stark gewesen, sagte Seele. Tatsächlich ging der Cashflow aus der Betriebstätigkeit im Jahresabstand um ein Fünftel auf 866 Mio. Euro zurück. Nun habe die Nachfrage aber wieder angezogen.

Belastet werden könnte die Marge freilich - abhängig vom Ölpreisniveau - durch die neuen strengeren Iran-Sanktionen, je nachdem wie China bzw. Indien darauf reagieren und ob sich die Ölmärkte verknappen. Auch stand zuletzt weniger Öl aus Russland in Europa zur Verfügung, die OMV betraf das laut Seele aber nicht, sie bezieht hauptsächlich über Triest. Jedenfalls könnte ein Ural-Brent-Preisanstieg ebenfalls die Raffineriemargen belasten. Weiterer Negativ-Faktor seien die höheren Transportmengen aus den USA - wegen der dort und in Asien schwachen Nachfrage -, die nach Europa kämen und die Margen drücken würden. Im Gesamtjahr sieht die OMV die Raffineriemarge unter 5 Dollar/Fass, davor hoffte man auf „rund 5 Dollar“.

Zur Nord-Stream-2-Pipeline unter Federführung der russischen Gazprom hält die OMV im Ausblick fest, dass man diese Gasleitung weiter mitfinanzieren wird. Insgesamt entfällt auf die Österreicher ja ein Zehntel der gesamten Projektkosten von 9,5 Mrd. Euro.

Der OMV-Chef sagte, er erhoffe sich nun eine positive Bauentscheidung durch Dänemark wie auch bei der Nord Stream 1, die wunderbar und problemlos funktioniere. Wichtig sei, dass die dänischen Behörden möglichst rasch eine diskriminierungsfreie Entscheidung treffen. Zum neuen EU-Regime für Leitungen aus Drittstaaten müsse abgewartet werden, wie die EU-Nationalstaaten, insbesondere Deutschland, die Dritte EU-Binnenmarktrichtlinie umsetzen, sagte Seele. Diese sei ein Rahmen, der für alle gelte, nicht nur für die Nord Stream 2: „Die Anwendung muss für alle erfolgen, diskriminierungsfrei.“ In Deutschland werde die Frage sein, wie die dortigen Behörden für die „letzten Meter“ der Leitung an ihrem Ende nahe Greifswald entscheiden.

Für die Achimov-IV/V-Gasakquisition der OMV in Russland „wollen wir uns im Sommer auf den Kaufpreis einigen“, sagte Seele. Nach diesem größeren Zukauf - und dem heuer Ende Jänner verkündeten Erwerb von 15 Prozent an einer Mega-Raffinerie in Abu Dhabi für 2,5 Mrd. Dollar - will die OMV ja einmal eine Pause bei Zukäufen einlegen, für Seele „eine schöpferische Pause“, um sich auf die Erträge aus den Neuerwerbungen zu konzentrieren.

Mit der rumänischen Regierung steht die OMV über ihre Tochter Petrom laut Seele in einem „intensiven Dialog“, um bei geeigneten Rahmenbedingungen die von vorigem Jahr auf heuer verschobene Investitionsentscheidung für eine Explorationsbohrung im Schwarzen Meer („Neptun“) treffen zu können. Dabei gehe es um mehr Steuersicherheit, einen freien Erdgasmarkt und möglichst geringe Einschränkungen beim Gasexport, erläutert Seele: „Die Petrom sagt, dass sie auf der bisherigen Basis eine finale Investitionsentscheidung noch nicht treffen kann.“

~ ISIN AT0000743059 WEB http://www.omv.com ~ APA090 2019-05-03/09:37




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