Letztes Update am Fr, 03.05.2019 11:35

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


64. Song Contest: Die Regelkunde zur Sangesrunde



Wien/Tel Aviv (APA) - Der Eurovision Song Contest ist eine dynamische Angelegenheit - und so haben sich seit der ersten Ausgabe 1956 die Regeln immer wieder geändert. Mal fielen die Reformen gewaltig aus, mal blieb es beim Reförmchen. Beispielsweise hoffen die Teilnehmer erst seit 1975 auf die erlösende Höchstwertung „12 Punkte“. Zur Übersichtlichkeit eine kleine Regelkunde für den 64. ESC in Tel Aviv:

- Der Wettbewerbssong darf nicht länger als drei Minuten sein. Politische Botschaften etwa auf T-Shirts oder Bannern, per Handzeichen oder verbal sind verboten. Es dürfen maximal sechs Menschen, aber keine Tiere auf der Bühne stehen. Der Interpret muss am Tag des Halbfinales zumindest 16 Jahre alt sein und darf die Sprache des Vortrags frei wählen.

So weit, so klar. Etwas komplexer ist der potenzielle Weg, wie der Gewinner oder die Gewinnerin des Musikwettbewerbs gekrönt wird.

- Einen garantierten Startplatz im Finale haben grundsätzlich immer die Vertreter der größten Geldgeber der European Broadcasting Union (EBU) und der Titelverteidiger. 2019 bildet sich dieser erlauchte Kreis aus folgenden sechs Ländern: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien als „Big Five“ sowie Israel als Titelverteidiger und Gastgeber.

- Die „Big Five“-Länder und Gastgeber Israel werden heuer bereits zum vierten Mal ihren Song in jenen Halbfinalen präsentieren, in denen die Länder auch stimmberechtigt sind. Vorqualifiziert bleiben die sechs Nationen fürs Finale aber dennoch.

- In den zwei Halbfinalen werden je zehn Finaltickets vergeben. Insgesamt matchen sich im Finale also 26 Nummern um Europas Sangeskrone.

- Alle 41 Länder, die beim heurigen ESC teilnehmen, sind beim Finale stimmberechtigt - auch jene, die bereits in den Halbfinalen ausgeschieden sind.

- Die Wertung eines Landes setzt sich aus dem Votum des Publikums via Anruf, App oder SMS sowie dem Votum einer fünfköpfigen Expertenjury zusammen. Derzeit werden die beiden Teilergebnisse im Verhältnis 50:50 gewichtet. Die besten zehn Titel werden mit 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 10 und 12 Punkten bewertet.

- Die Punkte der Jurys und der Zuschauerabstimmung werden dabei nicht pro Land kombiniert, sondern einzeln gewertet. Konkret vergibt damit jedes Land also zweimal 12 Punkte. Zunächst stellen die Ländersprecher in gewohnter Manier am Finalabend nur die 12 Punkte der Jurywertung vor, während die Punkte 1 bis 8 sowie 10 eingeblendet werden. Dann ist das Publikumsvoting an der Reihe, wobei heuer eine kleine Neuerung im Ablauf vorgesehen ist: Als erstes werden die Publikumspunkte für jenes Land genannt, das am wenigsten Punkte von den Jurys erhalten hat. Der Gewinner des Juryvotings indes bekommt als letztes seine Publikumspunkte genannt. Dieses System soll den Gewinner möglichst lange offen halten - und die Spannung steigern, sollten die Zuschauer das Prozedere verstehen.

- Sollte es trotz allen mathematischen Bemühungen am Ende einen Gleichstand zwischen zwei Ländern geben, gewinnt jenes Land, das vom Publikum höher bewertet wurde. Das Zuschauervotum hat in diesem Fall also Vorrang. Sollte auch die Zahl der Zuschauerstimmen für die beiden Songs genau gleich sein, liegt jener Song vorne, der aus mehr Ländern Publikumsstimmen bekommen hat. Sollte auch diese Zahl gleich sein, obsiegt jenes Land, das öfter 12 Punkte bekommen hat. Wenn auch dies keinen Sieger ermittelt, wird diese Regelung bis hinunter zu 1 Punkt fortgeführt. Und sollte der mathematisch unwahrscheinliche Fall eintreten, dass sich auch bis zu Punkt 1 für beide Länder ein Gleichstand ergibt, wird das Land zur Siegernation gekürt, das die frühere Startnummer im Finale hatte. Zumindest in diesem Fall ist eine niedrige Startnummer also von Vorteil.

(G R A F I K - 0546-19, 88 x 134 mm)

~ WEB http://orf.at ~ APA177 2019-05-03/11:31




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