Letztes Update am Fr, 03.05.2019 12:38

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


RWE-Chef will Kohlekonzern zum Ökoriesen wandeln



Essen (APA/Reuters/AFP) - Begleitet von Protesten von Klimaschützern hat RWE-Chef Rolf Martin Schmitz vor den Aktionären für den geplanten Umbau des deutschen Versorgers zum Ökostromerzeuger geworben. „Sauberen und sicheren Strom zu erzeugen - dieses Ziel treibt uns an“, sagte der Manager am Freitag auf der Hauptversammlung in Essen. „Wir wollen der Wachstumsmotor für die Energiewelt von morgen sein.“

Durch den Deal mit E.ON werde sich der Versorger zu einem der führenden Produzenten von Strom aus Erneuerbaren Energie weltweit wandeln. „Das gibt unserem Unternehmen eine hervorragende Zukunftsperspektive.“ Schon in einem Jahr werde RWE kaum wiederzuerkennen sein.

RWE hatte im März vergangenen Jahres mit E.ON für einen Paukenschlag gesorgt. Sie wollen die RWE-Tochter Innogy zerschlagen. E.ON übernimmt das Vertriebs- und Netzgeschäft, RWE das Ökostromgeschäft von Innogy und das von E.ON. Der Deal soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.

Vor der Essener Grugahalle demonstrierten Umweltschützer gegen den Versorger, der wegen seiner vielen Kohlekraftwerke seit Jahren in der Kritik steht. „Braunkohle Irrsinn - Das können wir uns nicht mehr leisten“ war auf Plakaten zu lesen oder „Wer zu spät kommt, den bestraft das Klima“. „Der Kohleausstieg geht nicht schnell genug“, kritisierte Claudia Römer gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Sie war am Morgen aus Köln angereist und hält eine Fahne mit der Aufschrift „Stoppt Braunkohle. Hambacher Forst bleibt“ in der Hand. Der Wald nahe der Domstadt ist schon längst zum Symbol für den Kampf um den Kohleausstieg geworden. „RWE muss einen endgültigen Rodungsstopp erklären“, fordert sie.

Die Braunkohletagebaue des Konzerns seien „eine der größten CO2-Quellen Europas und somit einer der Orte, der die Klimakrise verursacht“, kritisierte auch die Bewegung Ende Gelände am Freitag. Die Klimaschützer setzten RWE ein Ultimatum bis zum 19. Juni, um die eigenen Kohlekraftwerke abzuschalten und Tagebaue stillzulegen. „Verstreicht diese Frist aktionslos, werden sich aus ganz Europa tausende Klimaaktivisten auf den Weg ins Rheinland machen“, kündigte die Pressesprecherin von Ende Gelände, Kathrin Henneberger, an.

Auch mehrere hundert Anhänger der Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ demonstrierten am Versammlungsort. RWE-Chef Schmitz richtete sich in der Halle auch an sie. „Fridays for Future hebt ein Thema deutlich hörbar auf die Tagesordnung und rückt es so ins Bewusstsein aller. Doch zum Fordern gehört auch das Machen.“ Dafür stehe RWE. Doch in vielen Debatten komme das Machbare zu kurz. „Das ist schade.“

Im RWE-Aufsichtsrat sitzt der frühere österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP). Innogy ist in Österreich maßgeblich an der Kärntner Kelag beteiligt.

~ ISIN DE0007037129 WEB http://www.rwe.com ~ APA237 2019-05-03/12:35




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