Letztes Update am Fr, 03.05.2019 15:38

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Leitspital Liezen: Wirbel um Kündigung von kritischem DKH-Mitarbeiter



Schladming (APA) - Die Kündigung eines Mitarbeiters des Diakonissenkrankenhauses Schladming (DKH) sorgt für Wirbel: Die politischen Gegner des Leitspitals Liezen - KPÖ, FPÖ und Grüne - wittern einen Skandal, da der Gekündigte einen kritischen Leserbrief über das geplante Spital schrieb. Seitens der Klinik hieß es, dass es bereits länger Gespräche gab: „Nur wegen eines Leserbriefes wird bei uns niemand gekündigt.“

Der Mitarbeiter soll fünf Jahre im Controlling und Qualitätsmanagement der Klinik tätig gewesen sein. Er schrieb vor der Volksbefragung über das Leitspital im Bezirk Liezen einen Leserbrief, der am 3. April in den „Ennsseiten“ veröffentlicht wurde. In diesem äußert er - ohne seine Funktion zu nennen - seine Skepsis bezüglich des geplanten Leitspital-Standorts sowie der Zusammenarbeit mit der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft KAGes. Zwei Tage nach Erscheinen des Leserbriefes sei er gekündigt worden, kritisierten die Grünen am Freitag in einer Aussendung: „Welche Abmachungen, Nebenvereinbarungen und Abhängigkeiten gibt es zwischen der KAGes und der Klinik, die eine derartige Reaktion begründbar machen?“ fragte Landtagsklubobmann Lambert Schönleitner. Er will die Causa in der kommenden Landtagssitzung zum Thema machen.

„Der Druck auf Beschäftigte, zur Schließungspolitik des Landes zu schweigen, ist groß. Es wird offenbar zu allen Mitteln gegriffen, um Kritikerinnen und Kritiker mundtot zu machen. Der Landtag wird sich mit dem Fall beschäftigen. Sollte sich herausstellen, dass der Beschäftigte wirklich seine Arbeit verloren hat, weil er sich kritisch zum Leitspital geäußert hat, ist das ein Skandal, der seinesgleichen sucht“, sagte KPÖ-Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler am Freitag.

Wenige Tage nach dem Leserbrief sei dem Mitarbeiter seitens der Krankenhausführung die „einvernehmliche Lösung des Dienstverhältnisses nahegelegt“ worden, teilte FPÖ-Landtagsabgeordneter Albert Royer in einer Aussendung mit. „Dieses Vorgehen der Zentralisierungsbefürworter stellt zweifelsohne einen handfesten Skandal dar. In diesem Fall wird tatsächlich die freie Meinungsäußerung zu einem Sachthema mit massiven Repressalien bedroht. Dass sich eine christliche Organisation einer solchen Vorgehensweise bedient, lässt die Sache in einem besonders dreisten Licht erscheinen. Es stellt sich nun auch die berechtigte Frage, ob es für KAGes-Mitarbeiter einen einseitigen ‚Maulkorb‘ im Vorfeld der Volksbefragung gegeben hat.“

Das Krankenhaus teilte Freitagnachmittag auf APA-Nachfrage mit: „Wir trennen uns von Mitarbeitern nicht leichtfertig. Auch bei der aktuellen Trennung von unserem Mitarbeiter waren wir dieser Einstellung treu. Seit mehr als einen Jahr war man mit dem Mitarbeiter in grundsätzlichen Gesprächen. Die letzten Gespräche haben unter Einbeziehung des Betriebsrats stattgefunden. Die Entscheidung erfolgte im Leitungsgremium der Klinik. Diesem Beschluss ist ein ausführlicher Diskussionsprozess vorangegangen.“ Man bitte um Verständnis, „dass zu den Beweggründungen von internen Personalentscheidungen keine Auskunft erteilt werden kann. Auch in unserem Leitbild steht, dass wir Kommunikation auf Augenhöhe suchen und dies gilt auch für diese Entscheidung.“




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