Letztes Update am Fr, 03.05.2019 15:38

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Für Muslime beginnt Ramadan - Zeit des Fastens und der Besinnung



Wien/Mekka (APA/dpa) - Hunderte Millionen Muslime weltweit bereiten sich auf den Beginn des Fastenmonats Ramadan vor. In Österreich, aber auch in der Türkei und vielen anderen Ländern beginnt in diesem Jahr der Ramadan Sonntagabend, der Montag wird der erste Fastentag sein. Der Start richtet sich aber nach dem Erscheinen der Neumondsichel und kann deswegen variieren.

Der Ramadan ist für die meisten Muslime die wichtigste Zeit der Jahres, vergleichbar mit Weihnachten oder Ostern für Christen. Das Fasten gehört zu den fünf Säulen des Islams - das sind Grundpflichten, an die sich Gläubige halten sollen. Diese verzichten im Ramadan von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex. Vom Fastengebot sind Kinder, Schwangere, alte und schwer körperlich arbeitende Menschen ausgenommen. Der spirituelle Fastenmonat dient der Besinnung und soll auch genutzt werden, um Bedürftigen zu helfen.

Der Ramadan richtet sich nach dem Mondkalender und endet in diesem Jahr Anfang Juni. Dann feiern die Muslime das Fest des Fastenbrechens (Eid al Fitr), das wegen der vielen Süßigkeiten, die es dann gibt, in der Türkei auch Zuckerfest (Seker Bayrami) genannt wird.

Generell ist der Ramadan vor allem eine Zeit für die Familie. Die Menschen versammeln sich bei Sonnenuntergang mit Verwandten, aber auch Nachbarn und Freunden zum gemeinsamen Fastbrechen. Das gesellschaftliche Leben verlagert sich in den Abend und die Nacht hinein. In vielen arabischen Ländern beginnt zugleich für die TV-Sender der Kampf um die Zuschauer. Traditionell werden im Ramadan die am aufwendigsten produzierten Seifenopern ausgestrahlt.

Für viele Muslime ist der Ramadan auch ein willkommener Anlass für eine Diät. Im Iran und in vielen arabischen Ländern sind landesweit alle Restaurants bis zum Abend geschlossen. Ausnahmen sind Hotels und Raststätten für Ausländer und Reisende, die nicht zu fasten brauchen.

In Deutschland und anderen Ländern sprechen sich Regierungsvertreter und kritische Muslime gegen strenges Fasten von Schulkindern aus. „Kinder müssen regelmäßig trinken und essen, sonst können sie nicht aufmerksam sein, lernen und sich gesund entwickeln“, sagte etwa die deutsche Familienministerin Franziska Giffey (SPD) der Zeitung „Die Welt“.

Die Berliner Anwältin und Moschee-Gründerin Seyran Ates rief Lehrer auf, Schüler vor erzwungenem Fasten in Schutz zu nehmen. „Es passiert häufig, dass Kinder in der Schule zusammenbrechen, weil sie den ganzen Tag nichts getrunken haben“, sagte Ates n-tv.de.

Mediziner weisen immer wieder darauf hin, dass der stundenlange Verzicht auf Wasser vor allem in warmen Wochen besonders für Heranwachsende gesundheitsschädlich sein kann.

In vielen Ländern sind auch Sicherheitsdienste in Alarmbereitschaft. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und andere radikale Gruppen hatten den Ramadan in früheren Jahren für Anschläge genutzt. IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi kündigte erst vor wenigen Tagen Vergeltung für den Untergang des IS-Herrschaftsgebietes in Syrien und im Irak an.




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