Letztes Update am Fr, 03.05.2019 15:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Herzinsuffizienz: Tiroler Projekt reduziert Wiederaufnahmen im Spital



Innsbruck (APA) - Die Verantwortlichen des Projekts „HerzMobil Tirol“ - das erste Herzinsuffizienzprogramm in Österreich, das bei Patienten bereits in der „Regelversorgung“ angekommen ist - haben am Freitag eine positive, erste Bilanz gezogen: Durch das Versorgungsprogramm habe die Wiederaufnahmerate ins Krankenhaus aufgrund von Herzinsuffizienz reduzieren werden können, sagte der ärztliche Leiter, Gerhard Pölzl.

Die Auswertungen der Patientendaten aus den Jahren 2016 bis 2018 würden deutlich zeigen, dass diese Wiederaufnahmerate um die Hälfte gesenkt werden konnte. Lag sie internationalen Studien zufolge bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz in den ersten sechs Monaten nach Diagnose bei 50 Prozent, beträgt sie bei Patienten, die auf „HerzMobil“ zurückgreifen, nur mehr 25 Prozent.

Auch die Gesamtsterblichkeit im Beobachtungszeitraum von einem Jahr scheine durch ein engmaschiges Versorgungsnetz im niedergelassenen Bereich, unterstützt durch „HerzMobil Tirol“, zu sinken. Liegt diese generell bei rund 30 Prozent, weise man im Rahmen des Projekts etwa zehn Prozent auf, erklärte Pölzl im Gespräch mit der APA.

„HerzMobil Tirol“ startete im Jahr 2012 als Pilotprojekt, im Juli 2017 wurde das Versorgungsprogramm in die Regelversorgung überführt. Insgesamt wurden bisher 347 Patienten betreut. Das durchschnittliche Alter der Patienten ist 70 Jahre.

„Unsere oberste Zielsetzung ist, die Betreuung der chronisch Erkrankten vom Krankenhaus in den niedergelassenen Bereich zu bringen“, so Pölzl. Dafür sorgt ein Versorgungsnetz aus Netzwerkärzten, meistens Allgemeinmediziner, und Netzwerkschwestern - unterstützt durch die moderne Informationstechnologie, die eine ständige Kontrolle der Patienten und so ein zeitnahes Reagieren auf bestimmte Entwicklungen garantiert.

Die Patienten erhalten nach ihrem Krankenhausaufenthalt eine Tasche mit Waage, Blutdruckgerät und ein eigens programmiertes Smartphone mit spezieller Handy-App. Letzteres hilft ihnen, ihre Gesundheitsparameter an das Betreuungsteam zu übertragen. Befindlichkeit, Puls, Blutdruck, Gewicht sowie die Einnahme der Medikamente sind durch wenige Klicks direkt bei der spezialisierten Pflege. Die Folge: Eine offenbar deutliche Stärkung der Selbstsicherheit und des Selbstmanagements. „Dadurch gewinnt der Patient Lebensmut und Bewegungsfreiheit zurück“, zeigte sich Bettina Fetz, Koordinatorin von „HerzMobil Tirol“ überzeugt und fügte hinzu: „Er kann sichergehen, dass sein Umgang mit der Erkrankung, sein Lebensstil, seine Essgewohnheiten sowie seine Bewegungseinheiten optimal auf seine Bedürfnisse und die seiner Erkrankung abgestimmt sind. Dieses neuartige Behandlungsmodell schafft nur Gewinner im System“.

Bis Ende 2020/Anfang 2021 soll das Projekt auf ganz Tirol ausgeweitet sein. Derzeit existiert es in fünf Bezirken. Und es scheint ein „Exportschlager“ zu werden: In der Steiermark gebe es bereits eine ähnliche Struktur, so Pölzl - und in Deutschland sei ein Zentrum für Telemedizin im Entstehen, das sich an „HerzMobil Tirol“ orientiere.

Und der Bedarf dürfte nicht geringer werden: Die Verbreitung von Herzinsuffizienz nehme immer mehr zu - zum einen, weil immer mehr Menschen Herzinfarkte und dergleichen zwar überleben, aber „der Schaden“ am Herz bleibe trotzdem, so der ärztliche Leiter. Zum anderen komme die zunehmende Alterung der Gesellschaft zum Tragen, die die Zahl von Herzinsuffizienzen ansteigen lasse.




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