Letztes Update am So, 05.05.2019 09:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


For Forest: Kunstprojekt lässt im Wörtherseestadion Wald wachsen



Klagenfurt (APA) - „Die Bilder werden um die Welt gehen.“ Davon ist Initiator Klaus Littmann überzeugt: Vom 9. September bis 27. Oktober 2019 wird im Klagenfurter Wörtherseestadion unter dem Titel „For Forest“ die (laut Eigenbeschreibung) größte öffentliche Kunstinstallation Österreichs zu sehen sein. Auf dem Rasen wird ein Wald modelliert - mit rund 300 Bäumen inklusive Waldboden, so der Künstler im APA-Gespräch.

Etwa 30 Jahre ist es her, dass Littmann die Bleistiftzeichnung „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ des österreichischen Künstlers und Architekten Max Peintner entdeckt hatte - sie zeigt ein volles Stadion, in dem die Zuseher aber nicht Fußballern auf die Beine, sondern Bäumen auf die Äste schauen, am Spielfeld ist nämlich nichts anderes als ein Wald zu sehen.

Seither verfolgte Littmann die Idee, diese Zeichnung in der Realität umzusetzen - und in Klagenfurt soll es nun so weit sein. Ziel ist es, die „Wahrnehmung der Natur“ herauszufordern und den Blick „auf die Zukunft der Mensch-Natur Beziehung“ zu schärfen. Und das Projekt lässt sich durchaus auch als Mahnmal verstehen - dass wir die Natur, die für uns so selbstverständlich ist, vielleicht bald nur mehr in „speziell zugewiesenen Gefäßen“ bewundern können, wie heute zum Beispiel Tiere im Zoo.

Konkret soll im Klagenfurter Stadion ein Mischwald entstehen - mit Laub- und Nadelbäumen, die zwölf bis 14 Meter hoch sind und jeweils bis zu sechs Tonnen wiegen. Umsetzen wird den Wald inklusive typischem Bewuchs am Boden Landschaftsarchitekt Enzo Enea: „Ich bin dann zufrieden, wenn man nicht den Eindruck hat, dass es ein Wald im Stadion ist, sondern dass ein Stadion um ein Stück Wald herumgebaut wurde“, sagte Littmann. Derzeit werden die Bäume mit eingepackten Wurzelballen auf einem Grundstück unweit des Stadions gehegt und gepflegt.

Wenn es um die Pläne für die fertige Installation geht, gerät Littmann ins Schwärmen: „Die Blätter werden sich im Herbst verfärben, sie können immer zwischen 10.00 und 22.00 Uhr besichtigt werden. Je nach Tageszeit, Verfärbungsgrad und auf welchem Rang man steht, ergeben sich so viele unterschiedliche Perspektiven.“ Durch den Wald wird man übrigens nicht gehen dürfen, es bleibt bei dem Blick von den Rängen. Dass der Eintritt frei ist, ist für Littmann selbstverständlich: „Das ist bei all meinen Projekten im öffentlichen Raum so.“

Wenn es ums Projektbudget geht, ist der Künstler zurückhaltender. Auf die Frage, wie viel Geld man zur Verfügung hat, sagte er nur: „So viel es kostet, kostet es halt.“ Die Finanzierung geschehe über drei Säulen: Über Baumpatenschaften für 5.000 Euro, über Sachleistungen und über Spenden von Unternehmen oder Mäzenen. „Das funktioniert sehr gut, vor allem in der Schweiz ist das Mäzenatentum weit verbreitet“, sagte Littmann, der auch immer wieder betont, dass für „For Forest“ kein öffentliches Geld eingesetzt wird, die Stadt stellt lediglich das Stadion kostenlos zur Verfügung.

Trotzdem hält sich Kritik an dem Projekt - etwa weil die Bäume nicht aus der Umgebung kommen, sondern über weite Strecken nach Kärnten transportiert wurden. „Aus Bologna in Italien, aus Norddeutschland und Belgien“, bestätigte Littmann. Natürlich habe man österreichische Bäume verwenden wollen - doch die seien einfach nicht verfügbar gewesen. „Bis Bäume diese Größe erreichen, die wir brauchen, sind sie 30 bis 40 Jahre alt, während dieser Zeit müssen sie alle paar Jahre verschult werden. Solche Bäume haben wir hierzulande nicht gefunden.“ Dass die Umweltbelastung durch die Transporte höher ist, will er aber nicht gelten lassen: „Wir hatten drei Standorte, von denen wir mehrere Bäume gleichzeitig gezielt geholt haben. Damit wurden weniger Kilometer zurückgelegt, als wenn wir Einzeltransporte in ganz Österreich durchgeführt hätten.“

Vertraglich ist jedenfalls festgelegt, dass das Stadion nach dem Projekt so zurückgegeben wird, wie es übernommen wurde und dass auch der Rasen zu erneuern ist. Der Rasenheizung soll dabei nichts passieren - eine der am häufigsten genannten Befürchtungen der Kritiker. Littmann: „Ich habe ein Ingenieurbüro engagiert, das berechnet hat, dass das Projekt mit Lastenverteilungsplatten umgesetzt werden kann. Ich habe mich ja absichern müssen.“ Außerdem habe der Boden bereits Konzerte inklusive schwerer Bühnen ausgehalten: „Da waren ja auch Trucks im Stadion unterwegs.“

Vor allem die FPÖ schießt seit Monaten gegen „For Forest“, eines der Hauptargumente ist, dass das Stadion für ganze zwei Monate für Konzerte oder Fußballspiele blockiert ist. Die Kritik habe ihn nicht erschüttert, sagte Littmann: „Kritik ist normal, wenn man so etwas im öffentlichen Raum veranstaltet.“ Von der Art der Kritik sei er jedoch überrascht gewesen. So sei er einmal unangemeldet bei einer FPÖ-Veranstaltung zu dem Thema aufgetaucht und habe zwei Stunden lang Fragen aus dem Publikum beantwortet: „Da wurde mir schon auch gesagt, ich soll zurück in die Schweiz gehen und die Bürgermeisterin (Maria-Luise Mathiaschitz, SPÖ, Anm.) gleich mitnehmen.“

Er habe den Eindruck, dass es bei der Kritik um politisches Hickhack gehe. „Eine Frau von der FPÖ habe ich gefragt, was es denn aus sachlicher, künstlerischer Sicht zu kritisieren gebe. Ich habe dann zur Antwort bekommen, dass die FPÖ in Klagenfurt halt in der Opposition sei.“ Er habe jedenfalls ein anderes politisches Verständnis: „Ich lasse mich da von niemandem vor den Karren spannen. Ich bin der neutrale Schweizer im wahrsten Sinne des Wortes.“

(Offizielle Homepage des Projekts: https://forforest.net/)




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