Letztes Update am So, 05.05.2019 12:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gruppenbiografie: „Hofmannsthal, Schnitzler und das Junge Wien“



Wien (APA) - Ihre Namen haben heute noch einen besonderen Klang: Die Werke von Arthur Schnitzler und Hugo von Hofmannsthal sind Weltliteratur, auch Felix Salten, Hermann Bahr und Richard Beer-Hofmann sind nicht nur Spezialisten bekannt. „Das Junge Wien“ hieß ihr loser Zusammenschluss, der ab 1890 das literarische Wien aufmischte. Nun erscheint eine Gruppenbiografie dieses Literatenkreises.

„Freunde sind wir ja eigentlich nicht“, hat David Österle, stellvertretender Direktor am Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Theorie der Biographie, sein Buch nach einem Beer-Hofmann zugeschriebenem Ausspruch genannt: „Freunde? Freunde sind wir ja eigentlich nicht - wir machen einander nur nicht nervös.“ Präsentiert wird das Werk freilich nicht dort, wo die aufstrebenden Jungliteraten laut Karl Kraus „gleich links, 3. Tisch in der Ecke“, ihr Hauptquartier hatten. Das originale Café Griensteidl, vis-à-vis des alten Hofburgtheaters gelegen, wurde 1897 geschlossen, das Palais Dietrichstein abgerissen. In seinem Essay „Die demolirte Literatur“ polemisierte Karl Kraus daraufhin gegen Stadt- und Literaturerneuerung gleichermaßen. Zerwürfnisse und Ohrfeigen waren die Folge.

Da auch das erst 1990 am gleichen Orte wiederlebte Café Griensteidl heute geschlossen ist und teilweise einer Zukunft als Supermarkt entgegensieht, wird das reich illustrierte Buch über „Hofmannsthal, Schnitzler und das Junge Wien“ morgen, Montag, um 19 Uhr in einem anderen berühmten Wiener Literatencafé vorgestellt: im Café Central, das heute vorwiegend von Touristen aus aller Welt gestürmt wird. Hier residiert allerdings in Gestalt einer lebensgroßen Figur weiterhin einer, dessen Kaffeehausliteratenkarriere zumindest zu Beginn auch mit dem Kreis um Jung Wien verbunden war: Richard Engländer alias Peter Altenberg.

(S E R V I C E - David Österle: „Freunde sind wir ja eigentlich nicht. Hofmannsthal, Schnitzler und das Junge Wien“, Kremayr & Scheriau, 224 Seiten, 24 Euro; Präsentation und Lesung von Birgit Stöger am Montag, 6.5., 19 Uhr, im Café Central, Arkadenhof, Wien 1, Herrengasse 14)




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