Letztes Update am So, 05.05.2019 13:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Serbischer Kriegsverbrecher Seselj verhöhnt seine Opfer



Hrtkovci/Zagreb (APA/dpa) - Der vom Haager Tribunal verurteilte serbische Kriegsverbrecher Vojislav Seselj hat seine Opfer aus der kroatischen Minderheit mit der Abhaltung einer Parteiveranstaltung am Schauplatz der von ihm begangenen Taten verhöhnt. „Kein Kroate wurde deportiert“, behauptete Seselj am Samstag auf dem Parteitag seiner Serbischen Radikalen Partei (SRS) in der nordserbischen Ortschaft Hrtkovci.

Die Veranstaltung wurde im Garten eines Hauses abgehalten, das Seselj vor einem Jahr in Hrtkovci gekauft hatte. Am 6. Mai 1992, in der Zeit der von Serbien in Kroatien und Bosnien geführten Kriege, hatte Seselj in Hrtkovci eine hetzerische Rede gehalten, in der er dazu aufforderte, die ethnischen Kroaten zu vertreiben. Der Ultranationalist hatte damals auch eine eigene paramilitärische Miliz kommandiert. In der Folge wurden mehrere Tausend Angehörige der kroatischen Minderheit dazu gezwungen, Hrtkovci und Dutzende andere Dörfer in der nordserbischen Provinz Vojvodina zu verlassen.

Im Vorjahr verurteilte das Haager Kriegsverbrecher-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien Seselj zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe. Da er zuvor zwölf Jahre in Untersuchungshaft gesessen hatte, galt die Strafe als verbüßt. Seselj ist derzeit weiterhin als Vorsitzender der ultrarechten oppositionellen SRS aktiv.

Im Vorjahr hatte die serbische Polizei eine ähnliche von Seselj geplante Veranstaltung in Hrtkovci untersagt. Die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic bezeichnete die diesjährige Abhaltung der Veranstaltung als „verheerend“. „Der Ort steht als Symbol für das Leid der Kroaten in der Vojvodina“, twitterte sie. „Die Verhöhnung der Opfer am Ort des Verbrechens (...) ist Teil einer Revisionspolitik, die im heutigen Europa keinen Platz hat.“




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