Letztes Update am So, 05.05.2019 14:54

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gedenken an Befreiung des NS-Konzentrationslagers Dachau



Dachau/Wien (APA/dpa) - Zum 74. Jahrestag der Befreiung des Nazi-Konzentrationslagers Dachau hat die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, vor der Gefährdung der Freiheit gewarnt. Bei einer Gedenkstunde am jüdischen Mahnmal in der KZ-Gedenkstätte sagte sie am Sonntag, die vergangenen Jahre hätten gezeigt, wie leicht demokratische Freiheiten bedroht sein könnten.

Dabei sei der Rechtsextremismus nicht das einzige politische Milieu, das Judenhass zumindest toleriere. So gebe es auch in anderen Teilen der Gesellschaft „Tendenzen, antisemitische Meinungen zu akzeptieren und zu verbreiten“, insbesondere mit Bezug auf den Staat Israel. „Was früher offener Antisemitismus war, wird dann unter dem Deckmantel eines angeblichen Engagements für Menschenrechte als ‚Antizionismus‘ reingewaschen.“

Auch wenn das gesellschaftliche und politische Problembewusstsein gewachsen sei, habe sie persönlich die Hoffnung aufgegeben, „eine Zeit ohne Judenhass noch zu erleben, in der jüdisches Leben in Deutschland Normalität ist und in der jüdische Gemeinden ohne Panzerglas und ohne Sicherheitsschleusen auskommen“. Die gesamte Gesellschaft und insbesondere die jüngeren Generationen seien hier gefragt: „‘Nie wieder‘ muss ‚nie wieder‘ bleiben.“

Das Konzentrationslager Dachau wurde im März 1933 als eines der ersten Lager für politische Gegner des NS-Regimes errichtet. Bis 1945 wurden dort und in den Außenlagern mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Juden, Sinti und Roma, Sozialisten, Kommunisten, Geistliche, Homosexuelle, später Widerstandskämpfer und Kriegsgefangene. Aus Österreich: Ex-Kanzler Kurt Schuschnigg und die späteren ÖVP-Nachkriegs-Kanzler Leopold Figl und Alfons Gorbach, der spätere SPÖ-Innenminister Franz Olah, der Kommunist Viktor Matejka, die Kabarettisten Fritz Grünbaum und Hermann Leopoldi, der Schriftsteller Jura Soyfer, Fritz Löhner-Beda, seines Zeichens Librettist mehrerer Lehar-Operetten. Mindestens 41.500 starben: an Hunger, Entkräftung, Krankheit. Oder sie wurden ermordet. Außerdem wurden hier Nazi-Schergen im Töten unterrichtet, das KZ galt als „Mörderschule der SS“. Am 29. April 1945 befreiten amerikanische Truppen die Überlebenden.




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