Letztes Update am Mo, 06.05.2019 10:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Papst Franziskus besuchte Flüchtlingszentrum in Sofia



Sofia (APA) - Zum Auftakt seines zweiten Besuchstags in Bulgarien hat Papst Franziskus am Montag ein Zentrum für Flüchtlinge und Migranten am Stadtrand von Sofia besucht. Das als privat bezeichnete Treffen fand in der Früh in einem ehemaligen Schulgebäude im Stadtteil Wraschdebna nahe dem Flughafen statt, wie Kathpress meldet.

Dabei traf der Papst mit rund 50 Erwachsenen und Kindern zusammen, die hauptsächlich aus Syrien und dem Irak stammen.

Bereits am Sonntag hatte Franziskus an Regierung und Politiker appelliert, sich Migranten nicht zu verschließen; Bulgarien selbst kenne das „Drama der Auswanderung“, sagte er. Den im Dezember in Marokko beschlossenen UNO-Migrationspakt hatte Bulgarien ebenso wie Österreich, Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei den UNO-Migrationspakt abgelehnt. In der Frage der Sicherung der EU-Außengrenzen vertritt das Land einen harten Kurs.

Beim Besuch des Papstes in Wraschdebna erzählte ein seit fünf Jahren in Bulgarien lebender afghanischer Flüchtling von seinen Erfahrungen. Eine Freiwillige der Caritas berichtete von ihrer Arbeit. Die anwesenden Kinder sangen für Franziskus ein Lied und schenkten ihm selbstgemalte Bilder.

Das Zentrum Wraschdebna ist eines von dreien in der bulgarischen Hauptstadt und von sechs im ganzen Land. Angelegt waren die Einrichtungen ursprünglich für etwa 5.000 Flüchtlinge. Mit den knapp 20.000 Schutzsuchenden, die 2015 und 2016 die Route über den östlichen Balkan nahmen, war die Infrastruktur des Landes überfordert. Im November 2018 ermahnte die EU Bulgarien zu Verbesserungen der Einrichtungen und des Umgangs mit Migranten.

Im vergangenen Jahr kamen aufgrund des Grenzzauns sowie der Präsenz der Europäischen Grenzagentur Frontex nur noch knapp 2.600 Migranten, die meisten aus Afghanistan, Irak, Syrien und Pakistan. Von den 2.540 Asylanträgen wurden laut Landesstatistik fast alle Syrer, aber kaum Afghanen und nur jeder zehnte aus dem Irak anerkannt. Bulgarien, das an die Türkei grenzt, ist für Flüchtlinge meist nur ein Durchgangsland, da sie in der Regel nicht in dem ärmsten EU-Land bleiben wollen.

Seinen zweitägigen Bulgarienbesuch setzt Papst Franziskus am heutigen Montag mit einem Besuch in der Kleinstadt Rakowski im Landesinnern fort. Dort spendet er noch am Vormittag rund 240 Kindern die Erstkommunion. Rakowski ist ein Zentrum der Katholiken Bulgariens, die weniger als ein Prozent der Bevölkerung ausmachen. In der Hauptstadt Sofia steht dann am Abend ein ökumenisches Friedensgebet auf dem Programm. Am Dienstag reist der Papst zu einer eintägigen Visite nach Nordmazedonien weiter.

Die Erstkommunionfeier in Rakowski versammelt praktisch den gesamten Jahrgang von katholischen Kindern landesweit, die erstmals bei einer Messe die Kommunion empfangen. Das Mittagessen nutzt der Papst für ein Treffen mit den drei katholischen Bischöfen Bulgariens. Am Nachmittag ist eine Begegnung mit Katholiken geplant. Dabei wollen einzelne Gläubige aus ihrem Alltag berichten. Das Friedensgebet am Abend in Sofia findet vor der frühchristlichen Georgskirche statt. Der Rundbau geht auf das 4. Jahrhundert zurück und gilt als ältestes Gebäude Sofias.

Die aktuelle 29. Auslandsreise von Papst Franziskus ist nach Visiten in Albanien (2014) und der bosnischen Hauptstadt Sarajevo (2015) gleichzeitig sein dritter Besuch in der Balkanregion. Von 31. Mai bis 2. Juni wird der Pontifex zudem nach Rumänien reisen.




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