Letztes Update am Mo, 06.05.2019 12:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fußball: Tottenhams Hoffnungen ruhen auf Südkoreas Superstar Son



London (APA/dpa) - In seiner Heimat Südkorea ist Son Heung-min ein Superstar. Der 26-jährige Stürmer von Tottenham, der die Spurs am Mittwoch bei Ajax Amsterdam noch ins Finale der Champions League führen soll, ist auch bei weiblichen Fans äußerst beliebt. Diese können sich aber jedwede Form der Annäherung sparen. Denn solange er Fußball spielt, wird Son nicht heiraten. Schließlich hat Papa das gesagt.

„Und er hat recht“, sagte Son junior in einem Interview des „Guardian“: „Wenn du heiratest, sind die Familie, die Frau und die Kinder die Nummer eins. Und dann kommt erst der Fußball. Ich will sicherstellen, dass der Fußball die Nummer eins ist, solange ich auf dem höchsten Level spielen kann.“ Wenn man 33 oder 34 ist, sagte Son, „kannst du immer noch ein langes Leben mit deiner Familie haben“.

Dass das Wort seines Vaters Son Woong-jung, der selbst Profi war, Gewicht hat, hat dem Junior in seiner Karriere schon einige Male Ärger eingebracht. „Aber ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich heute bin.“ Und das ist sehr weit oben. Als der Hamburger SV ihn 2013 nach Leverkusen verkaufte, hielten die zehn Millionen Ablöse viele für ein gutes Geschäft. Bayer kassierte zwei Jahre später 30 Millionen von Tottenham für den Stürmer. Heute gilt Son als wertvollster Spieler Asiens.

Sein Abschied aus Leverkusen war eine jener Episoden, in denen sich Son auf Anraten des Vaters unbeliebt machte. Rund um das Champions-League-Play-off gegen Lazio Rom drängte er auf die Freigabe. Leverkusens damaliger Manager Reiner Calmund schimpfte: „Wer sich mit 23 Jahren so von seinem Papa leiten lässt und vor dem wichtigsten Spiel des Jahres um freie Tage bittet, hat den Schuss nicht gehört.“ Doch so landete Son in der Premier League, seinem Traumziel.

Son ging als 16-Jähriger nach Europa, ins Internat des HSV, obwohl er von diesem Verein nach eigener Auskunft „noch nie was gehört hat“. Sein Weg zum Profi war vorbestimmt. Als Heung-min zehn Jahre alt war, wurde der Vater Trainer seiner Schulmannschaft. Er ließ alle Spieler den Ball jonglieren, 40 Minuten durfte er nicht hinunterfallen. „Wenn jemand anderem der Ball runtergefallen ist, hat mein Vater nichts gesagt. Wenn er mir runtergefallen ist, mussten wir alle von vorne beginnen“, erzählte Son junior später. Und kam auch hier zum Schluss: „Das war hart. Aber wenn ich darüber nachdenke, war es der richtige Weg.“

Heute ist Son ein Star. Und am Mittwoch in Abwesenheit des verletzten Harry Kane die große Hoffnung Tottenhams. Gegen Manchester City in der Runde zuvor war er mit drei Treffern der Held, beim 0:1 im Hinspiel gegen Ajax fehlte er gesperrt und wurde schmerzlich vermisst. Und er wird nicht nur für seinen Verein spielen, sondern für alle Koreaner. Natürlich fühle er sich als Botschafter, sagte Son, der immer freundlich und bescheiden geblieben ist. „Viele Leute in Korea stehen um fünf Uhr morgens auf, um uns spielen zu sehen. Denen will ich etwas zurückgeben.“




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