Letztes Update am Mo, 06.05.2019 13:32

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


IPBES-Bericht - Rund eine Million Arten vom Aussterben bedroht



Paris (APA/AFP) - Rund eine Million Tier- und Pflanzenarten sind nach einem UN-Bericht vom Aussterben bedroht. Viele könnten bereits „in den kommenden Jahrzehnten“ verschwinden, heißt in der Studie zur weltweiten Artenvielfalt, die der Weltrat für Biodiversität (IPBES) am Montag in Paris veröffentlichte. Die Wissenschafter fordern darin „tiefgreifende Änderungen“ vor allem in der Landwirtschaft.

Ob Insekten, Korallen oder Regenwälder: Der Mensch zerstöre seine eigenen Lebensgrundlagen, heißt es in dem rund 1.800 Seiten starken Bericht, in dem Wissenschafter den bisher umfassendsten Überblick über den Zustand der geschätzt acht Millionen Arten geben. Dringend nötig sind laut den UN-Experten Änderungen bei der Landwirtschaft, beim Konsum und beim Naturschutz.

Der Präsident des Biodiversitätsrats der UNO, Robert Watson, hält das Artensterben für „mindestens genauso“ bedrohlich wie den Klimawandel. „Wir höhlen die Fundamente unserer Wirtschaft und unseres Lebensunterhalts aus“, warnt Watson in dem Abschlussbericht. Auch „die Sicherheit von Lebensmitteln, die Gesundheit und die Lebensqualität in der ganzen Welt“ seien durch das Artensterben bedroht.

Besonders bedroht sind den UN-Experten zufolge Insekten - ihre Zahl hat sich in Europa in den vergangenen drei Jahrzehnten bereits um rund 80 Prozent verringert. Auch Korallen stehen angesichts des Klimawandels vor dem Aus. „Es kann keiner mehr sagen: wir haben es nicht gewusst“, betonte der deutsche Biologe Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, der als einer der Ko-Vorsitzenden die Erstellung der Studie geleitet hat.

Hauptverantwortlich für die Zerstörung ist dem UN-Bericht zufolge der Mensch: Die Wissenschafter listen Landwirtschaft, Abholzung, Bergbau, Fischerei und Jagd als wichtigste Gründe für das Artensterben auf.

„Wir müssen die Lebensqualität in den Mittelpunkt stellen und nicht das Wirtschaftswachstum“, sagte einer der Autoren, Eduardo Brundizio, der Nachrichtenagentur AFP. Konkret fordern die Experten des Biodiversitätsrats IPBES, der oft mit dem Weltklimarat verglichen wird, eine „nachhaltigere“ Landwirtschaft und „effiziente“ Fischereiquoten sowie eine Reform öffentlicher Hilfen für den Naturschutz.

In Österreich reagierten vor allem die NGOs: „Dieser Bericht ist alarmierend für die Tier- und Pflanzenwelt. Die Ergebnisse müssen Regierungen weltweit endlich die Augen öffnen. Sie müssen Ziele und Umsetzungspläne beschließen, mit denen wir dieses drohende Massensterben der Artenvielfalt verhindern können“, sagte Greenpeace-Sprecher Lukas Meus. „Der IPBES-Report zeigt, dass wir einem ökologischen Kollaps entgegen gehen, es braucht tiefgreifende Veränderungen. In Österreich betrifft dies vor allem die intensive Landwirtschaft, aber auch Verbauung und Versiegelung für Siedlungsraum, Industrie und Verkehr. Außerdem gibt es auch hierzulande kaum mehr natürliche Wälder, und für die Artenvielfalt wichtige Lebensräume wie Feuchtgebiete werden immer seltener“, meinte auch Dominik Linhard, Biologe bei Global 2000.

Der WWF Österreich unterstützte die umfassenden Forderungen des UN-Berichts ebenfalls. Hanna Simons, Leiterin Natur- und Umweltschutz beim WWF Österreich, bewertete den IPBES-Bericht als „alarmierenden Weckruf an Politik und Wirtschaft“: „Wir müssen schleunigst beginnen, den Umweltschutz zu verbessern und in den natürlichen Grenzen der Erde zu wirtschaften. Auch in Österreich schreitet der Raubbau an der Natur voran.

( 0561-19, 88 x 84 mm)




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