Letztes Update am Mo, 06.05.2019 13:32

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschlands Exportindustrie zögerlicher bei Investitionen im Ausland



Berlin (APA/AFP/Reuters) - Die deutsche Exportindustrie wird bei ihren Investitionen in Produktion und Vertrieb zögerlicher. Wie eine am Montag veröffentlichte Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) ergab, sinken die Investitionsabsichten im Ausland.

30 Prozent der befragten Unternehmen gaben demnach zwar an, ihre Investitionen im Ausland erhöhen zu wollen, 14 Prozent wollen sie senken. Das Saldo liegt laut DIHK aber so niedrig wie zuletzt 2013.

DIHK-Präsident Eric Schweitzer erklärte, der Druck auf die deutsche Wirtschaft werde größer: „Das Hin und Her beim Brexit, die globalen Handelskonflikte und die US-Sanktionen belasten die Konjunktur und trüben spürbar die Investitionsfreude der deutschen Unternehmen für das Auslandsgeschäft.“ Inländische Kostenfaktoren wie hohe Strom- und Energiepreise oder Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel schmälerten zudem die Budgets für Investitionen. So wollen laut der Umfrage auch im Inland weniger exportorientierte Unternehmen ihre Ausgaben steigern.

Um sich besser gegen Risiken abzusichern, verteilen die Betriebe ihre Ausgaben vermehrt auf verschiedene Kontinente. Europa bleibt demnach Investitionsstandort Nummer eins für die deutsche Industrie. In der Eurozone planen 65 Prozent der im Ausland tätigen Betriebe neue Investitionen. Dahinter folgen China und Nordamerika. Allerdings liegt das Investitionssaldo in Nordamerika nur mehr bei 25 Prozent - vergangenes Jahr waren es noch 48 Prozent. Das ist laut DIHK der weltweit stärkste Rückgang und eine Folge der Handelspolitik der USA.

Am häufigsten wollen die Firmen ihre Vertriebsstrukturen im Ausland ausbauen. Immer mehr Unternehmen bauen laut Umfrage allerdings auch wieder Produktionskapazitäten im Ausland auf, um Kosten zu sparen. Schweitzer warnte deshalb: „Ohne die Verbesserung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wie etwa der Ausbau der digitalen Infrastruktur, die sichere Versorgung mit bezahlbarer Energie oder eine Steuer- und Bürokratieentlastung für hiesige Unternehmen droht der Investitionsstandort Deutschland in Sachen internationaler Wettbewerbsfähigkeit den Anschluss zu verlieren“.

An der jährlichen Umfrage nahmen im Frühjahr laut DIHK mehr als 2.000 Unternehmen teil.

Die Eskalation im US-Handelsstreit mit China schürt Sorgen in der deutschen Industrie. „Für die deutsche Wirtschaft ist das gar nicht gut“, sagte Schweitzer, der „Augsburger Allgemeine“ laut Vorabbericht vom Montag. Wenn es nicht noch eine Einigung gebe, werde sich dies auf die deutsche Wirtschaft auswirken, „wo die Lage doch ohnehin fragil ist“. Der DIHK-Chef verwies darauf, dass China Deutschlands größter Handelspartner sei und die USA der größte Exportmarkt für deutsche Waren.




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