Letztes Update am Mo, 06.05.2019 14:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Papst feierte in Südbulgarien mit über 200 Kindern Erstkommunion



Sofia (APA) - Papst Franziskus hat seine Bulgarienreise am Montag in der südbulgarischen Stadt Rakowski, einer katholischen Enklave, fortgesetzt, wie Kathpress meldet. Dabei spendete er 245 Kindern die Erstkommunion. Bei seiner Ankunft wurde Franziskus von zahlreichen Gläubigen vor der Herz-Jesu-Kirche willkommen geheißen.

Die Feier in Rakowski versammelte praktisch den gesamten Jahrgang von katholischen Kindern landesweit, die erstmals bei einer Messe die Kommunion empfangen. In seiner Predigt bestärkte Franziskus die Rolle der Kinder in der Kirche.

Das biblische Wunder der Brotvermehrung habe begonnen „mit den Händen eines Kindes, das brachte, was es hatte: fünf Brote und zwei Fische“, sagte Franziskus. Manche Wunder könnten nur geschehen, wenn Erwachsene ein Herz wie Kinder hätten, das fähig sei, zu teilen, zu träumen, zu danken und zu vertrauen. „Der Herr braucht euch, um das Wunder zu verwirklichen, mit seiner Freude viele von euren Freunden und Familienangehörigen zu erreichen.“ Die Feier gelte „dem Sakrament der ersten Kommunion - und nicht der letzten“, fügte der Papst hinzu. In einer ungewöhnlichen Geste teilte er die Kommunion persönlich an die Kinder aus.

Franziskus trug die Predigt nach seinem Skript auf Italienisch vor. Anschließend wandte er sich direkt an die Kinder und hielt mit Hilfe eines Dolmetschers einen kurzen Dialog mit ihnen. Die Buben und Mädchen antworteten mit Applaus.

Katholiken bilden eine winzige Minderheit in Bulgarien, in Rakowski stellen sie jedoch die Mehrheit. Während die orthodoxe Kirchenleitung die kühle Schulter zeigte, ist die Begeisterung auf dem katholischen Land umso größer. Für die Katholiken im Land ist der Besuch ihres Oberhauptes ein „riesengroßes Fest“, wie mehrere Teilnehmer sagten.

Dies trifft auf Rakowski ebenso wie auf Sofia zu: Auf einer Fußgängerbrücke in Sofia, die zum Nationalen Kulturzentrum führt, haben katholische Kirche und Stadtverwaltung Infotafeln installiert, auf denen die 1.000 Jahre alte Geschichte der Beziehungen zwischen Rom und Bulgarien erzählt wird. Dazu zählen die Slawenapostel Kyrill und Method und Angelo Roncalli, der von 1925 bis 1934 in Bulgarien als Päpstlicher Vertreter wirkte. Der Name des späteren Papstes Johannes XXIII. (1958-1963) ist tief im Gedächtnis des Landes verankert.

Beim Mittagsgebet am Sonntag hatte der Papst darauf Bezug genommen. Roncalli habe als Gesandter von 1925 bis 1934 in Bulgarien die Tradition der Ostkirche schätzen gelernt und so den Anstoß zur Förderung des ökumenischen Dialogs erhalten, der sich dann im Zweiten Vatikanischen Konzil (1963-1965) fortsetzte. Die katholische Kirche müsse Bulgarien für die „weise und inspirierende Intuition“ Roncallis danken, sagte Franziskus bei seinem Mittagsgebet am Sonntag in Sofia.

Der Papst hält sich seit Sonntag zu einem zweitägigen Besuch in Bulgarien auf. Franziskus nannte Bulgarien ein zwar orthodoxes Land, aber auch einen Kreuzungspunkt verschiedener Religionen. Die unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften müssten „die Kultur des Dialogs als Weg, die allgemeine Zusammenarbeit als Verhaltensregel und das gegenseitige Verständnis als Methode und Maßstab annehmen“, betonte er. Dies werde „jeden Tag notwendiger“. Im Anschluss reist Franziskus nach Nordmazedonien weiter.




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