Letztes Update am Mo, 06.05.2019 19:20

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Papst mahnt in Bulgarien zu „aktivem Frieden“



Sofia (APA) - Zum Abschluss seines zweitägigen Bulgarien-Besuchs hat Papst Franziskus mit Vertretern anderer Konfessionen und Religionen eine ökumenisches Friedensfeier gehalten. Auf dem Platz der Unabhängigkeit in Sofias Innenstadt mahnte er dabei am Montagabend laut Kathpress zu einem „aktiven Frieden“ gegen Egoismus und Gleichgültigkeit.

Vertreter aus Religion, Politik und Kultur, aber auch jeder einzelne könne Erbauer und Werkzeug des Friedens werden. Nötig seien Begegnung in dem, was eint, und Respekt in trennenden Punkten, so Franziskus.

Die Friedensfeier fand auf einem Podium bei der frühchristlichen Georgskirche statt. Der Rundbau, der als ältestes Gebäude der bulgarischen Hauptstadt gilt, liegt jeweils nur wenige Schritte entfernt von einer orthodoxen, katholischen und armenischen Kirche sowie von der Synagoge und der Moschee Sofias. Stellvertretend für Orthodoxe, Katholiken, Armenier, Protestanten, Juden und Muslime in Bulgarien entzündeten sechs Kinder an einer mit dem Logo der Papstreise verzierten Kerze Laternen. Beter der verschiedenen Konfessionen und Religionen formulierten teils in Gesängen vorgetragene Anrufungen an den Gott des Friedens.

Papst Franziskus sagte, jeder sei gerufen, ein Erbauer des Friedens zu werden. „Wir müssen um diesen Frieden bitten und dafür arbeiten; er ist Gabe und Aufgabe zugleich, Geschenk und ständiges Bemühen jeden Tag, um eine Kultur aufzubauen, in der auch der Friede ein Grundrecht ist“, sagte der Papst. Die unveräußerliche Menschenwürde müsse über den „kleinlichen Interessen einiger“ stehen.

Der Ort der Feier war geschichtsträchtig. Der Unabhängigkeitsplatz, wie er heute heißt, war früher nach Lenin benannt; entstanden war er im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs.

Als Repräsentanten des politischen Lebens nahmen Ministerpräsident Bojko Borissow und Simeon von Sachsen-Coburg und Gotha, letzter Zar des Zarentums Bulgarien und von 2001 bis 2005 Ministerpräsident der neuen Republik, an dem Gebet teil. Die Leitung der bulgarisch-orthodoxen Kirche blieb der Veranstaltung fern. Laut Programm war die Orthodoxie durch einen Kinderchor vertreten. Das Verhältnis des bulgarischen Patriarchats zur Ökumene gilt als gespannt.

Dienstagfrüh reist Papst Franziskus nach Nordmazedonien, der zweiten Station seiner dreitägigen Balkanreise, weiter.




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