Letztes Update am Di, 07.05.2019 10:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Drei Österreicher für Europäischen Erfinderpreis nominiert



Wien/München (APA) - Drei Österreicher haben Chancen auf den Europäischen Erfinderpreis 2019. Die Kunststoffrecycler Klaus Feichtinger und Manfred Hackl von der Firma Erema (OÖ) sind in der Kategorie „Industrie“ nominiert, der Physiker Maximilian Haider, Mitbegründer der Firma CEOS in Heidelberg, in der Kategorie „Lebenswerk“, teilte das Europäische Patentamt (EPA) mit, das den Preis am 20. Juni in Wien vergibt.

Mit der seit 2006 vergebenen Auszeichnung will das EPA einzelne Erfinder und Erfinderteams ehren, „deren Erfindungen Lösungen für einige der drängendsten Probleme unserer Zeit darstellen“. Die Finalisten und Gewinner werden von einer unabhängigen Jury ausgewählt, der Publikumspreis wird von der Öffentlichkeit aus den 15 Finalisten im Vorfeld der Verleihung über ein Online-Voting ermittelt. Der Preis wird in den fünf Kategorien „Industrie“, „Forschung“, „Nicht-EPO-Staaten“, „KMU“ und „Lebenswerk“ vergeben, je Kategorie gibt es drei Nominierte.

Die beiden aus Oberösterreich stammenden Unternehmer Klaus Feichtinger (59) und Manfred Hackl (50) haben laut EPA „mit ihrem Ansatz das Kunststoffrecycling revolutioniert“. Mit Hilfe ihrer Technologie - die beiden halten 37 europäische Patente auf ihre Recycling-Erfindungen - können Abfälle zu hochwertigen Kunststoffpellets aufbereitet werden, die das Ausgangsmaterial für neue Produkte bilden. Zentrales Element in diesem Prozess ist eine spezielle Technologie, die ermöglicht, in den Anlagen in kürzerer Zeit mehr Kunststoff auch bei niedrigen Temperaturen zu verarbeiten.

Vermarktet wird ihre Technologie über das Unternehmen Erema, eine Tochter der EREMA Group GmbH, die Hackl und Feichtinger mehrere Jahre gemeinsam geleitet haben. Der Recyclingmaschinen-Hersteller mit Zentrale in Ansfelden im Bezirk Linz-Land steigerte im Geschäftsjahr 2018/2019 seinen Umsatz gegenüber dem Jahr davor um 16 Prozent auf 180 Mio. Euro. Heute sind mehr als 6.000 ihrer Maschinen in 108 Ländern im Einsatz und produzieren jährlich über 14,5 Millionen Tonnen Kunststoff-Pellets.

Der aus Freistadt (OÖ) stammende Experimentalphysiker Maximilian Haider (69) konnte mit seiner Erfindung ein 60 Jahre altes Problem lösen: Mit Hilfe einer Art elektromagnetischer Korrekturlinse wurde die Bildauflösung von Elektronenmikroskopen deutlich verbessert, sodass Abbildungen im atomaren Maßstab möglich werden. 2015 erreichte Haider damit die Rekordauflösung von 0,043 Nanometer, weniger als der Radius eines Wasserstoffatoms. Diese Technologie kommt laut EPA heute in 90 Prozent aller Elektronenmikroskope zur Anwendung.

Haider studierte Physik an der Universität Kiel und der Technischen Hochschule Darmstadt, wo er 1987 promoviert wurde. 1989 ging er ans European Molecular Biology Laboratory (EMBL). Seit 2008 ist Haider Honorarprofessor am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Gemeinsam mit Harald Rose und Knut Urban startete Haider 1990 ein Projekt mit dem Ziel, die Bildfehler elektronenoptischer Linsen zu korrigieren. 1996 hat Haider, dessen Erfindungen mit elf Patenten geschützt sind, das Unternehmen CEOS mitgegründet, das mittlerweile Marktführer für Korrekturtechnologie ist und mit führenden Mikroskop-Anbietern zusammenarbeitet. Haider, Rose und Urban wurden für ihre Erfindung u.a. mit dem renommierten israelischen Wolf-Preis (2011) ausgezeichnet.

(SERVICE - Internet: https://www.epo.org/learning-events/european-inventor.html)




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